Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 24.09.2012

Studie zu regionalen Einkommensunterschieden in Mecklenburg-Vorpommern

Löhne auf tiefstem Niveau

Die Bruttolöhne in Mecklenburg-Vorpommern liegen deutlich unter dem deutschen Mittelwert. Während in diesem Bundesland für Vollzeitbeschäftigte im Schnitt ein Lohn von 1.918 Euro brutto ermittelt wurde, beträgt er bundesweit 2.702 Euro brutto, in den neuen Bundesländern 2.068 Euro brutto. Auf Rügen wird landesweit am schlechtesten verdient, in Schwerin am besten. Besonders gering werden Frauen in Ostvorpommern und auf Rügen entlohnt.

Erstmals hat der DGB Nord damit differenzierte Daten zu den Verdienstunterschieden in den Kreisen und Städten Mecklenburg-Vorpommerns vorgelegt, die auf einer Sonderauswertung der Arbeitgebermeldungen zur Sozialversicherung beruhen. Einmalige Leistungen wie Überstundenzuschläge oder Weihnachtsgeld sind in den Lohnangaben berücksichtigt; Auszubildende, aber auch Teilzeitkräfte und Minijobber wurden nicht mitgezählt. Jede/r zweite Vollzeitbeschäftigte mit sozialversichertem Job verdiente dem zufolge 2010 in Mecklenburg-Vorpommern weniger als 1.918 Euro brutto im Monat.

Uwe Polkaehn, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Nord (DGB Nord): „Die Lage ist dramatisch. Nirgendwo in Deutschland wird so schlecht verdient wie in Mecklenburg-Vorpommern. Das schwächt die Kaufkraft heute, aber es führt auch zu Armutsrenten und weiterer sozialer Spaltung. Die Landesregierung sollte deshalb ihren Weg weitergehen mit dem Ziel, Minijobs durch fair entlohnte und sozialversicherungspflichtige Arbeit zu ersetzen. Der Rentenbeitrag darf nicht sinken, es müssen der Mindestlohn, sozialversicherungspflichtige Arbeit und eine gerechte Besteuerung hoher Einkommen und Vermögen her - die Lohnspirale muss sich nach oben drehen.“

In der Einzelbetrachtung zeigen sich große Lohn-Unterschiede zwischen den Beschäftigtengruppen:

  • Männer erzielten meist ein höheres Bruttomonatsentgelt als Frauen. Im Mittel verdienten sie in Mecklenburg-Vorpommern 1.958 € brutto im Monat gegenüber 1.836 € bei den Frauen. Der Verdienstunterschied erklärt sich wesentlich durch die geschlechtsspezifischen Tätigkeitsschwerpunkte; so arbeiten Frauen häufig im Dienstleistungssektor mit einem relativ niedrigeren Entlohnungsniveau gegenüber dem produzierenden Gewerbe, wo Männer häufiger tätig sind. Aber auch die Lohndiskriminierung von Frauen hat nach gewerkschaftlicher Einschätzung einen Einfluss auf dieses Lohngefälle, das allerdings in anderen Ländern erheblich größer ist.
  • Vollzeitbeschäftigte ohne abgeschlossene Berufsausbildung verdienten in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich nur 1.626 € brutto im Monat und damit deutlich weniger als im Bundesschnitt.
  • Das mittlere Bruttomonatsentgelt der Vollzeitbeschäftigten mit Fachhoch- oder Hochschulabschluss, 3.739 Euro, liegt gleichfalls deutlich unter dem Bundesschnitt. Beschäftigte mit Hochschulabschluss kommen in Mecklenburg-Vorpommern im Schnitt auf einen mehr als doppelt so hohen Bruttoverdienst wie jene Vollzeitbeschäftigte ohne abgeschlossene Berufsausbildung.

Große Verdienstabstände zeigen sich folglich nicht nur bei Teilzeitarbeit, sondern auch bei Vollzeitbeschäftigung. Die Angst vieler Beschäftigter, dass sie mit ihrer Rente im Alter nicht auskommen, ist nicht unbegründet. Insbesondere Frauen sowie Arbeiter ohne abgeschlossene Berufsausbildung sind oftmals von Altersarmut bedroht. Altersarmut sei zwar noch kein größeres Massenproblem, doch in Zukunft droht ihre Zahl deutlich anzusteigen. Durch die geplante Senkung des Rentenniveaus auf 43 Prozent müssen Beschäftigte mit einem Einkommen von 2.500 € im Monat 35 Jahre in die Rentenkasse einzahlen, um mehr als Grundsicherung im Alter zu bekommen. Bei einem Monatseinkommen von 2.200 € droht bei Renteneintritt immer noch Sozialhilfebedürftigkeit, selbst wenn man 40 Jahre gearbeitet und Rentenbeiträge gezahlt hat.

2010 verdiente aber mehr als die Hälfte aller vollzeitbeschäftigten Frauen in Mecklenburg-Vorpommern deutlich weniger als 2.200 € brutto. Auch 50 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten mit oder ohne Berufsabschluss befinden sich klar unterhalb dieser Marke: Die Folgen der Absenkung des Rentenniveaus werden in der Zukunft also für viele Beschäftigte in der Region gravierend sein.

In der Anlage erhalten Sie eine regionalisierte Berechnung der Lohn-Daten für alle (Alt-)Landkreise sowie die Städte Schwerin, Rostock, Stralsund, Greifswald, Neubrandenburg und Wismar.

Median (mittleres) monatliches Bruttoarbeitsentgelt sozialversicherter Vollzeitbeschäftigter (ohne Auszubildende) in Mecklenburg-Vorpommern 2010 in Euro

 

 

 

Mecklenburg- Vorpommern

alte Bundesländer

neue Bundesländer

insgesamt

davon

Männer

Frauen

 

1.918

 

1.958

1.836

2.835

 

3.085

2.379

2.068

 

2.094

2.018

 

Alter 25 bis 50 Jahre

 

 

1.909

 

2.870

 

2.069

 

ohne Berufsausbildung

 

 

1.626

 

2.377

 

1.706

 

mit Berufsausbildung

 

 

1.950

 

2.902

 

2.053

 

mit Fachhoch-/Hochschulabschluss

 

 

 

3.739

 

4.933

 

3.803

Quelle: Eigene Berechnungen nach BA-Entgeltstatistik

 


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