Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 069 - 26.06.2017

Vor 60 Jahren erkämpften Werftarbeiter die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall

Krank sein und deswegen in finanzielle Nöte geraten, weil zeitweise kein Lohn oder Gehalt mehr kommt? Das können wir uns heute kaum mehr vorstellen. Doch erst vor 60 Jahren, am 26. Juni 1957, sicherte der Bundestag die Arbeiter wie die Angestellten im Krankheitsfall ab – das Ergebnis eines der längsten Streiks in der Bundesrepublik, erkämpft von den Werftarbeitern mit der IG Metall in Schleswig-Holstein. Die volle gesetzliche Gleichstellung von Arbeitern und Angestellten im Krankheitsfall trat schließlich 1970 in Kraft.

16 Wochen dauerte der Arbeitskampf der Werftarbeiter im Winter 1956/57. Zeitweise waren 34.000 Arbeiter im Ausstand. Schließlich stand das Ergebnis der Tarifverhandlungen fest, es wurde Grundlage auch für die Gesetzgebung: Wer erkrankte, erhielt einen Netto-Lohnausgleich von 90 Prozent vom ersten Tag an für eine Zeit von 28 Tagen im Jahr. Die volle und zwingende Lohnfortzahlung bei Krankheit in Höhe von 100 Prozent durch den Arbeitgeber wurde für Arbeiter erst 1969 gesetzlich festgeschrieben.

„Das war einer der wichtigsten Streiks der deutschen Sozialgeschichte: So etwas schaffen nur starke Gewerkschaften“, sagt Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Nord: „Wir danken den Kolleginnen und Kollegen, die damals diesen Kampf durchgestanden haben. Und alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer heute müssen wissen: Wir bekommen nichts geschenkt. Löhne, Einkommen und soziale Standards müssen immer wieder neu durchgesetzt werden. Das gilt aktuell besonders für die paritätische Finanzierung der Kranken- und Rentenversicherung und Schutz vor der Digitalisierung am Arbeitsplatz. Der Sozialstaat ist so stark wie die Menschen, die sich für ihn engagieren.“ 

 


Der DGB Bezirk Nord umfasst die Bundesländer Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Die Gewerkschaften zählen in den drei Ländern zusammen rund 420.000 Mitglieder. Der DGB ist der Bund der Gewerkschaften. Gemeinsam vertreten der Bund und die Mitgliedsgewerkschaften die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.


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