Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 139/2017 - 29.12.2017
Tarifverträge, Arbeitszeiten, Lohnerhöhungen, sichere Jobs

2018: Der Ausblick der Gewerkschaften im Norden

Tarifvertrag für alle, familiengerechte Arbeitszeiten, deutlich höhere Löhne und Gehälter, sichere Arbeitsplätze: Das gehört zu den Hauptzielen der Gewerkschaften für das Jahr 2018. Auch die Betriebsratswahlen und der Ausbau der Mitbestimmung stehen im Zentrum der DGB-Aktivitäten im Norden. „Es gibt etwas zu holen für uns - die positive Lohnentwicklung der letzten Jahre muss verstetigt und dynamisiert werden. Arbeit muss sicher sein. Das würde auch helfen, Zukunftsängste abzubauen“, sagte Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Nord: „Mancher denkt, die nächste Lohnerhöhung steht schon im Outlook-Kalender. Aber sie wird jedes Mal neu von Gewerkschaften in Tarifrunden erkämpft. Und Stärke entsteht nur aus Mitgliedern.“

Die Exporte boomten, die Überschüsse sind enorm, aber allein sieben Millionen Menschen verdienen immer noch weniger als 9,60 Euro pro Stunde: „Die Produktivität geht steil nach oben, aber bei den Leistungserbringern kommt davon viel zu wenig an. Die Arbeitnehmereinkommen sind 2017 zwar gewachsen, aber die Inflation frisst viel davon auf. Deshalb muss 2018 das Jahr sein, in dem sich die Beschäftigten ein größeres Stück vom Kuchen abschneiden. Am besten ist das zu erreichen, wenn das Recht auf einen Tarifvertrag für jede Arbeitnehmerin und jeden Arbeitnehmer gilt. Mit einem höheren Mindestlohn ist es nicht getan“, so Polkaehn in seinem Ausblick zur Jahreswende. In einem Vollzeitjob betrage der Unterschied zwischen tarifvertraglicher und tarifloser Arbeit rund 600 bis 800 Euro monatlich. Nur 44 Prozent der Beschäftigten in Schleswig-Holstein stehen unter dem Schutz eines Tarifvertrages, 47 Prozent sind es in Mecklenburg-Vorpommern und 45 Prozent in Hamburg.

Ausdrücklich lobte der DGB-Vorsitzende das Vorhaben der IG Metall, nicht nur mehr Geld, sondern auch das Recht für Beschäftigte auszuhandeln, die Arbeitszeit vorübergehend auf 28 Stunden zu reduzieren: „Angesichts der Digitalisierungswelle müssen neue Antworten gefunden werden, damit die Arbeitnehmer und die gesamte Gesellschaft nicht unter die Räder neuer Techniken und hochrationalisierter Arbeitsprozesse kommen. Der Wohlstand muss gerecht verteilt sein – und man muss an seinem Arbeitsplatz bis zur Rente gesund bleiben können.“ Nur 47 Prozent der Beschäftigten gehen nach DGB-Befragungen derzeit davon aus, bis zur Rente durchhalten zu können.

In zahlreichen Industrie- und Dienstleistungsbranchen Hamburgs, Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns sei bereits der Fachkräftemangel spürbar, sagte Polkaehn: „Der Norden wird nur Anschluss halten an die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung, wenn er seinen Arbeitskräften mehr anzubieten hat als einen Platz im Lohnkeller. Nur noch jeder fünfte Betrieb bildet aus – auch das ist Ursache vieler Probleme. Wir erwarten eine Offensive der Arbeitgeber für gute Arbeit und Ausbildung. Und die Landesregierungen müssen dazu die nötigen Leitplanken setzen.“ Wenn etwa der AGA Unternehmensverband lobe, dass viele Unternehmen ihre Stammbelegschaften möglichst klein halten und Aufgaben an externe Dienstleister und Zeitarbeitsfirmen auslagern, zeige dies die soziale Inkompetenz mancher Arbeitgeber: „Arbeit muss sicher, sozialversichert und fair entlohnt sein - deshalb muss die Arbeit endlich neu geordnet werden. Das hilft auch, die gesetzliche Rente und die solidarischen Sozialversicherungssysteme stark und zukunftsfähig zu machen.“

An diesen Zielen werde er auch die Politik der Bundes- und Landesregierungen messen, so der DGB-Vorsitzende.

In der Tarifrunde 2018 verhandeln die DGB-Gewerkschaften für mehr als 9,7 Millionen Beschäftigte neue Vergütungstarifverträge, darunter für zahlreiche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Norden, etwa bei Bahn, Post und Telekom, im Öffentlicher Dienst von Bund und Ländern, im Bauhauptgewerbe, in der Chemische Industrie, in der Druckindustrie, im Maler- und Lackiererhandwerk sowie im Bewachungsgewerbe. Die Verhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie laufen bereits seit November 2017. Am 31. Dezember endet die Friedenspflicht.

Wann in welchem Bereich verhandelt wird, zeigt der tarifliche Kündigungsterminkalender, den das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung vorgelegt hat. Einige ausgewählte Beispiele (in Klammern: Beschäftigtenzahlen):

Januar 2018:
Deutsche Post AG (130.000)
Volkswagen AG West (110.000)
Telekom Deutschland (63.000)

Februar:
Öffentlicher Dienst Bund und Gemeinden (2.480.200) Bauhauptgewerbe (699.000)

März:
Maler- und Lackiererhandwerk, Arb. (o. Saarland, 114.300) Privates Verkehrsgewerbe Baden-Württemberg (o. Südbaden, 87.200)

April:
Hotel- und Gaststättengewerbe Bayern (144.700) Fleischerhandwerk Bayern (25.700)

Mai:
Kautschukindustrie (42.700)

Juni:
Fleischerhandwerk Baden-Württemberg (18.700) Öffentlicher Dienst, Sparten-TV „Nahverkehr“ Berlin (12.500)

Juli:
Chemische Industrie Nordrhein, Hessen, Rheinland-Pfalz (249.900)
Hotel- und Gaststättengewerbe Nordrhein-Westfalen (118.100) Dachdeckerhandwerk (89.400)

August:
Chemische Industrie Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Bremen, Westfalen, Baden-Württemberg, Bayern, Berlin-West (281.600) Druckindustrie (138.000)

September:
Deutsche Bahn AG (134.000)
Privates Verkehrsgewerbe Bayern (119.500)

Oktober:
Privates Verkehrsgewerbe Nordrhein-Westfalen (160.200) Papier und Pappe verarbeitende Industrie (73.200)

November:
Kunststoff verarbeitende Industrie Ost (35.500)

Dezember:
Öffentlicher Dienst Länder (906.200)
Bewachungsgewerbe (o. Sonderbereiche) Schleswig-Holstein (Arb.), Hamburg (Arb.), Bremen (Arb.), Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt (130.700), Eisen- und Stahlindustrie Niedersachsen, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Ost (96.200)

 

Siehe auch: https://www.boeckler.de/wsi-tarifarchiv_111719.htm#cont_111881


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