Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 51/2018 - 01.06.2018
Die Arbeitgeber und Minister Buchholz müssen ihre Hausaufgaben machen

Tourismuskrise: Junge Leute nicht zum Lohndumping benutzen

Der DGB Nord rät der schleswig-holsteinischen Landesregierung, auf der Suche nach "neuen Wegen" für mehr Personal im Tourismus, nicht Tarifverträge, Arbeitsschutz und den gültigen Mindestlohn aus dem Auge zu verlieren. "Die Fachkräftekrise in den Hotels und Gaststätten des Landes ist hausgemacht. Ursache sind Tiefstlöhne und miserable Arbeits- und Ausbildungsbedingungen. Wenn Herr Minister Buchholz jetzt verstärkt um Studenten und junge Leute aus dem In- und Ausland werben will, dann muss er zugleich zusagen, die Löhne und Arbeitsbedingungen viel intensiver zu kontrollieren. Auch darauf haben diejenigen mittelständischen Unternehmen in Schleswig-Holstein einen Anspruch, die fair mit ihren Beschäftigten umgehen. Hier liegt noch viel im Argen", sagte Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Nord, zur Ankündigung des Wirtschaftsministers, sein Ministerium wolle zur Personalanwerbung im Tourismus "bürokratische Hürden" beseitigen.

In der Gastronomie Schleswig-Holsteins arbeiten nur 23 Prozent der Arbeitnehmer in Vollzeit (Landesdurchschnitt aller Branchen: 54 Prozent); 23 Prozent in Teilzeit und 54 Prozent im Minijob (Landesdurchschnitt aller Branchen: 21 Prozent).

Die Gewerkschaften wollen nun gerade junge Menschen gewinnen und verstärkt über ihre Rechte informieren. "Der Minister plant eine Minijobvermehrung. So viel Sonne kann aber gar nicht scheinen, dass junge Leute nur deshalb anheuern, weil es für sie an den Küsten ein Bett und ein Platz für ihr Surfbrett in einem trendigen Hotel gibt. Viel Zeit zum Surfen wird sowieso nicht bleiben, weil in der Hochsaison maximaler Stress herrscht. Herr Buchholz hat in der Sommerhitze vergessen, Tariflöhne, sichere Arbeitsverträge und gute Arbeitsbedingungen von der Wirtschaft verbindlich einzufordern. Mit Appellen ist es nicht getan. Die Arbeitgeber und der Minister müssen ihre Hausaufgaben machen", so Polkaehn.

Der "Ausbildungsreport" der DGB Jugend hatte zuletzt gravierende Mängel in schleswig-holsteinischen Tourismusunternehmen dokumentiert: Gesetzliche Mindestvorschriften, insbesondere zu den Arbeitszeiten, werden ignoriert, für Überstunden gibt es häufig keinen Ausgleich, die Ausbildungsqualität ist mangelhaft. Wegen der niedrigen Vergütungen in der Branche suchen sich immer mehr Interessierte lieber einen anderen Job. Der DGB Nord hatte daher die Arbeitsschutzbehörden aufgefordert, eine "Soko Gastro" einzurichten, um Verstößen gegen das Arbeitszeitgesetz und Jugendarbeitsschutzgesetz intensiver nachzugehen.

Die Tourismusbranche im Norden erwirtschaftet nach jüngsten Erhebungen einen Bruttojahresumsatz von knapp 9,5 Milliarden Euro, ein Plus von 37,7 Prozent gegenüber 2012.

Den Ausbildungsreport 2017 für Schleswig-Holstein finden Sie hier.

 


Der DGB Bezirk Nord umfasst die Bundesländer Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Die Gewerkschaften zählen in den drei Ländern zusammen mehr als 400.000 Mitglieder. Der DGB ist der Bund der Gewerkschaften. Gemeinsam vertreten der Bund und die Mitgliedsgewerkschaften die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.


Nach oben
Suchbegriff eingeben
Datum eingrenzen
seit bis

Kontakt: Pressestelle

DGB Bezirk Nord
Besenbinderhof 60
20097 Hamburg

Tel. 040-60 77 66 1 - 22
Tel. 040-60 77 66 1 - 23
Fax. 040-60 77 66 1 - 41

Günter Beling / copyright Ole Stichling

© Ole Stichling

Günter Beling

 

Kerstin Koch / copyright Peter Bisping

© Peter Bisping

Sekretariat: Kerstin Koch