Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 73 - 21.07.2016

Tourismusboom im Norden: Gute Arbeit muss her

Schöne Ferien im Norden – aber nicht für alle. Weil in den Hotels und Gaststätten besonders miese Arbeitsbedingungen herrschen, sollen die Urlauber jetzt ihre Marktmacht nutzen und Hotelchefs und Wirte fragen, wie sie ihre Beschäftigten behandeln.

„Das Gastgewerbe ist die Billiglohnbranche Nummer 1. Löhne unten, Arbeitsdruck hoch – so sieht kein guter Tourismus aus. Der Boom bei den Übernachtungszahlen muss endlich auch bei den Beschäftigten ankommen. Wir wissen aber, dass im Branchenvergleich das Gastgewerbe bei Entlohnung, Arbeitszeiten und Ausbildungsbedingungen die „rote Laterne“ hat. Der Norden hat aber als Tourismusregion nur dann eine gute Zukunft, wenn hier nicht nur Sonne, Sand und Wellen geboten werden, sondern auch gesunde Arbeitsbedingungen für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Wer hier bucht, sollte also auch mal fragen: Wie bezahlen und behandeln Sie eigentlich Ihre Service- und Putzkräfte? Gibt es hier einen Betriebsrat? Im Wettbewerb um Fachkräfte können Arbeitgeber mit Niedriglohn nicht bestehen. Unternehmen, die einen Imageschaden vermeiden wollen, müssen fair und nach Tarif entlohnen“, sagt Uwe Polkaehn, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Nord (DGB Nord). Zwei von drei Arbeitnehmern in Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen arbeiteten mehr als 45 Stunden in der Woche; vielfach würden Überstunden nicht entlohnt oder ausgeglichen. Positiv sei dagegen der Trend zu mehr sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung im Gastgewerbe nach Einführung des Mindestlohns: „Minijobs bedeutet Armut, im Erwerbsleben und auch im Alter.“ Die Kontrollen der Finanzkontrolle des Zolls, der Kammern und des Landes müssten im Gastgewerbe ausgeweitet werden.

Hotelfachleute sind im Vergleich zu anderen Berufsgruppen deutlich unzufriedener mit ihren Arbeitsbedingungen.  Eine DGB-Befragung ergab: Über 60 Prozent der Befragten sind mit ihrer Bezahlung nicht oder überhaupt nicht zufrieden. In tarifgebundenen Betrieben liegt das Bruttomonatseinkommen rund 21 Prozent über dem Gehalt der Kollegen und Kolleginnen in nicht tarifgebundenen Betrieben. Während in Westdeutschland eine Hotelfachfrau oder ein Hotelfachmann durchschnittlich 1.868 Euro erhält, bekommt sie/er in Ostdeutschland nur 1.554 Euro. In den neuen Bundesländern verdienen damit Hotelfachleute rund 17 Prozent weniger als ihre Kolleg/innen in den alten Bundesländern. Im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen werden auch die Auszubildenden im Gastgewerbe schlechter bezahlt.

Heute war bekannt geworden, dass das Gästeaufkommen in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern erneut gestiegen ist. In den ersten fünf Monaten des Jahres besuchten allein rund 2,5 Millionen Gäste die Freie und Hansestadt Hamburg (plus 4,9 Prozent). Die etwas mehr als fünf Millionen Übernachtungen entsprechen einem Zuwachs von 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. In Schleswig-Holstein nahm die Zahl der Gäste und Übernachtungen um rund 5 Prozent zu. Auch die Tourismusinformationen in Mecklenburg-Vorpommern beobachten einen stärkeren Andrang als im Vorjahr. Eine Erklärung dafür sei die angespannte politische Lage in vielen Reiseländern.


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