Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 03.04.2007

Arbeitnehmer unter Druck: Keine Zeit für Krankheit


Auf den ersten Blick sind Deutschlands Beschäftigte so gesund wie nie: Lag der Krankenstand in der Bundesrepublik 1975 bei 5,3 Prozent, waren es 2005 gesamtdeutsch nur noch 3,3 Prozent. Doch Wissenschaftler erklären den Rückgang mit unterschiedlichen Faktoren, von denen einige gar nichts mit besserer Gesundheit zu tun haben: So gelten neben medizinischem Forschritt, weniger körperlicher Arbeit und besserer Prävention auch die Angst vor Jobverlust und die Auswirkungen von Vorruhestands- und Entlassungswellen als Ursachen. Hinzu kommt die hohe Identifikation von zunehmend eigenverantwortlich handelnden Beschäftigten: "Man hat das eigene Projekt, die eigenen Kunden - da glauben viele, sie könnten es sich nicht leisten, wegzubleiben", sagt Elke Ahlers, Gesundheitsexpertin im WSI.

Angesichts dieser Gemengelage halten es Hermann Kocyba und Stephan Voswinkel, Soziologen am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main, kaum für möglich, Fehlzeiten noch weiter zu reduzieren - auch wenn sich viele Unternehmen darum bemühen: Ein weiterer Rückgang sei "nur mit hohen ökonomischen und sozialen Kosten denkbar", schreiben die Experten. "Der mittlerweile erreichte historische Tiefstand der Fehlzeiten könnte nämlich auch ein Indiz dafür sein, dass es für bestimmte Gruppen von Erwerbstätigen schwieriger wird, sich gesundheitliche Beeinträchtigungen einzugestehen, sich mit ihnen frühzeitig auseinanderzusetzen und Präventionsangebote zu nutzen."

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