Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 81/2018 - 05.11.2018

Arm und überschuldet: Mehr Menschen im Norden brauchen Hilfe

Die Landesregierung muss handeln

2017 mussten in Schleswig-Holstein 28.303 Frauen und Männer die Hilfe von Schuldnerberatungsstellen in Anspruch nehmen, weil sie ihre Kredite, Miete oder Heizrechnungen nicht mehr bezahlen konnten. Ihre Schulden übertrafen das Einkommen im Durchschnitt um das 27-fache, so das Statistikamt Nord. 2016 waren 25.140 ratsuchende Menschen gezählt worden. Berater gehen davon aus, dass nur zehn bis 15 Prozent aller Betroffenen eine Schuldnerberatungsstelle aufsuchen.

Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Nord, erklärt dazu:

"Die Landesregierung unterschätzt massiv die Probleme, die vor Ort aus der sozialen Spaltung entstehen. Schleswig-Holstein ist der Lohnkeller des Westens - niedrige Einkommen treiben immer mehr Menschen in die Verschuldung und in die Verzweiflung. Nötig ist eine Offensive aller Verantwortlichen zum Schutz vor Armut, dazu gehört vor allem eine Ächtung von Niedriglöhnen und die Förderung von mehr Tarifverträgen. Die Kontrollen gegen Mindestlohnbetrug und andere Ausbeutungstatbestände müssen deutlich verstärkt werden. Das Rentenniveau darf nicht sinken, es muss steigen. Und ein jährlicher Armuts- und Reichtumsbericht für Schleswig-Holstein könnte die nötigen Daten liefern, um die Schieflage zu dokumentieren und daraus Maßnahmen gegen das Auseinanderdriften der Gesellschaft abzuleiten. Dieser Querschnittsaufgabe müssen sich alle Ministerien in einer Gemeinschaftsanstrengung stellen. Weggucken hilft hier nicht."

Hauptauslöser für die Überschuldung in Schleswig-Holstein war laut Statistikamt die Arbeitslosigkeit (21 Prozent der beratenen Personen). 43 Prozent der beratenen Personen waren arbeitslos, 36 Prozent abhängig erwerbstätig und weitere 21 Prozent anderweitig nicht erwerbstätig (wie z. B. Rentnerinnen oder Rentner, Studierende).

Knapp die Hälfte aller Beratenen (44 Prozent) verfügte nur über ein monatliches Nettoeinkommen von unter 900 Euro - ihre durchschnittliche Verbindlichkeiten betrugen 22. 427 Euro.


Der DGB Bezirk Nord umfasst die Bundesländer Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Die Gewerkschaften zählen in den drei Ländern zusammen mehr als 400.000 Mitglieder. Der DGB ist der Bund der Gewerkschaften. Gemeinsam vertreten der Bund und die Mitgliedsgewerkschaften die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.


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