Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 060 - 29.06.2016

Sie liegen falsch, Herr Lambusch: Gleiche Arbeit, gleicher Lohn!

Nordmetall-Präsident Thomas Lambusch sorgt für Empörung: Sein Plädoyer gegen ein Lohngleichheitsgesetz versah er mit der Einschätzung, die geringer entlohnten  Frauen hätten schließlich  "aus freien Stücken" die Entscheidung  "für das private Gleichgewicht zwischen Familie und Beruf" getroffen. Familienministerin Schwesig  misstraue den Unternehmern und auch den Betriebsräten, die über die tarifliche Eingruppierung der Frauen mitbestimmen. "Das ist Quatsch aus der Chetetage. Transparenz ist in vielen europäischen Ländern gängige Praxis. Frauen sind keine Billiglohnreserve", antwortet Lisanne Straka vom DGB Nord. Der Norden brauche das neue Gesetz dringend.

"Was hat Herr Lambusch zu verbergen? In vielen Unternehmen ist das Gehalt immer noch ein Tabuthema. In Klein- und Mittelbetrieben gibt es vielfach  gar keine Betriebsräte. Da, wo Tarif gezahlt wird und ein Betriebsrat mitbestimmt, fällt die Entgeltlücke deutliche kleiner aus. Das Gesetz nützt allen Beschäftigten, weil es größere Transparenz und Verbindlichkeit schafft.  Besonders wichtig ist deshalb das neue Auskunftsrecht für Beschäftigte, die nicht von Tarifbindungen profitieren. Herr Lambusch wirft Nebelkerzen, damit bei den Löhnen und Gehältern weiter Geheimniskrämerei betrieben werden kann", so Straka weiter: "Gut, dass die Ministerin an dem Thema dranbleibt."  Nötig sei es aber, auch Betriebe unterhalb von 500 Beschäftigten einzubeziehen, denn sonst habe Mecklenburg-Vorpommern wenig von der Neuregelung.

Lambusch schimpfe gegen "Regulierungswut" und akzeptiere, dass "Frauen tendenziell weniger in Hochlohnbranchen und Führungspositionen, dafür häufiger in kleinen Betrieben und in Teilzeit arbeiten, mit besonderem Schwerpunkt in den eher niedrig entlohnten Bereichen Bildung, Gesundheit und Soziales" tätig seien, so Straka.  Stelle sich bei der Geburt eines Kindes die Frage, wer sich um das Kind kümmert, so spiele das Gehalt , das gebraucht wird, um die Familie zu ernähren, eine entscheidende Rolle: "Der Mann wird dann mit einem oftmals besseren Gehalt zum „Familienernährer“. Frauen haben das berufliche Nachsehen. Das Lohngesetz muss deshalb gleichzeitig gekoppelt werden an eine Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Kinderbetreuung und Förderung von egalitären Lebensmodellen."

Deutschland gehört seit Jahrzenten zu den Schlusslichtern in Sachen Entgeltgleichheit in Europa. Alle freiwilligen Vereinbarungen und Bekenntnisse der Wirtschaft zur  Lohngerechtigkeit  haben die Lohnlücke nicht geschlossen. Die Schließung der Lohnlücke um 1 Prozent auf jetzt 21 Prozent  geht alleinig auf die Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes zurück. Der Gesetzentwurf zur Lohngerechtigkeit ist ein Instrument zur Umsetzung des geltenden Rechts in Europa und in Deutschland:  „Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin“ (Grundgesetz Artikel 3, Abs.2).

 


Der DGB Bezirk Nord umfasst die Bundesländer Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Die Gewerkschaften zählen in den drei Ländern zusammen rund 420.000 Mitglieder. Der DGB ist der Bund der Gewerkschaften. Gemeinsam vertreten der Bund und die Mitgliedsgewerkschaften die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.


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