Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 136 - 15.12.2017

Frauen-Renten: "Gender Pension Gap" im Norden ist groß

Rente muss zum Leben reichen – auch für Frauen

Geschlechtergerechtigkeit im Ruhestand gibt es nicht: Frauen, die 2015 in Rente gingen, erhielten in Schleswig-Holstein eine gesetzliche Altersversorgung in Höhe von durchschnittlich 603 Euro, in Hamburg waren es 710 Euro und in Mecklenburg-Vorpommern 836 Euro. Den letzten Erhebungen zufolge bezieht eine Frau damit im Schnitt um 42 Prozent geringere gesetzliche Altersbezüge als ein Mann in Westdeutschland und 23 Prozent weniger als ein Mann in Ostdeutschland. Der DGB Nord fordert eine Umkehr dieses Trends hin zur Gleichstellung der Frauen auch im Alter. 

„Eine existenzsichernde Altersvorsorge für Frauen schützt vor Altersarmut. Die Rentenlücke muss kleiner werden und schließlich verschwinden", sagt Lisanne Straka, Abteilungsleiterin beim DGB Nord: "Die niedrigen Renten der Frauen sind das Spiegelbild ihres Erwerbslebens. Frauen arbeiten überwiegend im Niedriglohnsektor, in Teilzeit, in Minijobs ohne Rentenversicherung, unterbrechen ihre Erwerbsbiographie für die Kinderbetreuung und die Pflege Angehöriger und werden durchschnittlich schlechter entlohnt. Das hat schlimme Folgen für das Alterseinkommen." 

Für Frauen ist die gesetzliche Rente die wichtigste und oft einzige Quelle der Altersabsicherung. Berücksichtigt man alle drei Säulen der Altersvorsorge – also neben der gesetzlichen auch die betriebliche und private Altersvorsorge – dann beträgt die Rentenlücke (Gender Pension Gap) zwischen den Geschlechtern sogar 53 Prozent (57 West, 28 Ost). Besonders groß ist die Rentenlücke mit 64 Prozent  für verheiratete Frauen in Westdeutschland.

Straka: „Die Leistungsbemessung der Rentenversicherung orientiert sich nach wie vor an der Vorstellung eines durchschnittlich verdienenden Arbeitnehmers mit ungebrochener, in Vollzeit ausgeübter Tätigkeit, dem sogenannten Eckrentner. Für die Mehrheit der Frauen ist dieser Lebensverlauf nicht typisch. Selbst durch die Anrechnung von Kindererziehungszeiten, die 2014 durch die Ausweitung der Mütterrente nochmals verbessert wurde, schaffen die Frauen den Anschluss an die Männerrenten nicht. Zu beobachten ist allerdings, dass die Unterschiede zwischen den Geschlechtern mit jedem neuen Rentenjahrgang geringer werden. Diese Feststellung ist dennoch kein Grund zur Entwarnung. Solange die Entgeltlücke von 21 Prozent sich hartnäckig hält, Frauenberufe nicht aufgewertet werden, Frauen aufgrund der Kinderbetreuung auf berufliches Fortkommen verzichten und überwiegend in Minijobs und kleiner Teilzeit arbeiten, ist Altersarmut ein dauerhafte Bedrohung der Frauen.“

 

Die Forderungen des DGB:

 

•             Stärkung der gesetzlichen Rente, Stabilisierung und Anhebung des Rentenniveaus

•             Rente nach Mindestentgeltpunkten fortsetzen – Zeiten mit Niedrigeinkommen werden so für die Rente bis auf 75 Prozent des Durchschnittverdienstes hochgewertet

•             Eine steuerfinanzierte Mütterrente

Den Report des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zu diesem Thema finden Sie hier:

 

Report des Wirtschafts- und Sozialwisschenschaftlichen Institus (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung

  

 


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