Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 120 - 05.12.2016

Tariflose Zustände beenden

„Dieser Durchbruch hat Signalwirkung. Ich erwarte, dass sich nun weitere Unternehmen in den Handels- und Dienstleistungsbranchen des Nordens zu einem Tarifvertrag entschließen. Faire Abmachungen der Sozialpartner nützen beiden Seiten und auch der Gesellschaft, die nicht weiter auseinanderdriften darf.“ Mit diesen Worten hat Uwe Polkaehn, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Nord (DGB Nord), den Tarifabschluss bei Karstadt kommentiert.

Nach mehr als dreieinhalb Jahren Tariflosigkeit war es dort in Form eines Eckpunktepapiers für die Beschäftigten von Karstadt Warenhaus zu einer Einigung zwischen der Gewerkschaft ver.di und den Arbeitsgebern gekommen.

Für die Mehrzahl der abhängig Beschäftigten in Deutschland gilt bereits ein Tarifvertrag. Allerdings ist der Grad der Tarifbindung in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Während 1998 noch Tarifverträge für 76 Prozent der Beschäftigten in Westdeutschland und 63 Prozent in Ostdeutschland galten, liegt die Tarifbindung nun nur noch bei etwa 60 Prozent im Westen und knapp 50 Prozent im Osten.

Uwe Polkaehn: „Die meisten Arbeitgeberverbände im Norden bieten noch immer eine Mitgliedschaft für Firmen ohne Tarifbindung an. Diese Förderung rechtloser Zustände sollte aufhören. Wir brauchen wieder mehr Betriebe mit Tarifschutz. Die Tariflöhne und -gehälter werden in diesem Jahr im Durchschnitt real um rund 2 Prozent steigen. Damit leistet die tarifliche Lohnentwicklung erneut einen Beitrag zur Binnennachfrage, die das Wirtschaftswachstum auch in diesem Jahr wesentlich trägt.“

Zur Karstadt-Einigung gehören eine Standort- und Beschäftigungsgarantie für alle 78 Filialen bis Frühjahr 2021 und damit für mehr als 15.000 Beschäftigte sowie die sofortige Rückkehr in die Tarifbindung durch Abschluss eines Anerkennungstarifvertrags für sämtliche Tarifverträge mit schrittweisen Tarifsteigerungen.


Der DGB Bezirk Nord umfasst die Bundesländer Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Die Gewerkschaften zählen in den drei Ländern zusammen rund 420.000 Mitglieder. Der DGB ist der Bund der Gewerkschaften. Gemeinsam vertreten der Bund und die Mitgliedsgewerkschaften die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.


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