Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 17.02.2011

Schleswig-Holstein: Wie Leiharbeitnehmer ausgebeutet werden

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Leiharbeiter werden auch in Schleswig-Holstein deutlich schlechter bezahlt als andere Beschäftigte. „Erstmals hat jetzt der DGB eine Sonderauswertung der BA-Statistik zu den Bruttoverdiensten für die Leiharbeitskräfte in Mecklenburg-Vorpommern vorgelegt“, sagte Uwe Polkaehn, Vorsitzender DGB Nord. “Die finanzielle Lage ist noch weit schlechter als wir befürchtet haben. Auch bei uns können viele trotz Vollzeitarbeit von ihrem Gehalt als Leiharbeiter nicht leben; sie müssen oftmals einem Zweit- oder Drittjob nachgehen oder sind auf Hartz IV angewiesen. Leiharbeiter leisten die gleiche Arbeit wie andere Beschäftigte, bekommen aber deutlich weniger Geld und werden häufiger auch entlassen“, so Uwe Polkaehn.

Auswertungen des DGB zeigen, dass in Schleswig-Holstein Leiharbeitskräfte mit Berufsabschluss gleichfalls über 43 Prozent weniger verdienen als Vollzeitbeschäftigte mit Berufsabschluss insgesamt. Landesweit verdienten auch sie im Schnitt nur 1.516 € brutto monatlich gegenüber 2.650 € aller Vollzeitbeschäftigten insgesamt mit Berufsausbildung. Nur 15,4% aller vollzeitbeschäftigten Leiharbeitskräfte mit Berufsausbildung verdienen über 2.100 €.

„Leiharbeit ist – unabhängig vom Qualifikationsniveau – ein ausgeprägter Niedriglohnsektor, bei dem der Staat Lohndumping und nicht existenzsicherndes Arbeitseinkommen oftmals über Hartz IV oder andere Sozialleistungen wie Wohngeld (indirekt) subventionieren muss. In keiner anderen Branche ist das Armutsrisiko trotz Erwerbstätigkeit so groß wie in der Leiharbeit“, so Uwe Polkaehn.

„Die Neuordnung der Leiharbeit mit den Hartz-Gesetzen ist gründlich gescheitert. Nach Auffassung des DGB ist diese Situation auch nicht mit einer EU-Richtlinie vereinbar, die bis zum Jahresende in deutsches Recht umgesetzt werden muss. Die Richtlinie verlangt, dass auch bei einer tariflichen Abweichung der Gesamtschutz der Leiharbeiter gewahrt werden muss. Angesichts dieser Daten kann davon in Deutschland jedoch keine Rede sein. Vielmehr wird das unternehmerische Risiko auf die Leiharbeitskräfte, die Sozialkassen und den Steuerzahler verlagert. Während die Unternehmen indirekt subventioniert werden, fehlt Geld für die Bildung und für die Unterstützung von Kindern. Der Gesetzgeber ist gefordert, diesen unwürdigen Zustand endlich zu beenden. Was in anderen Ländern geht, muss auch in Deutschland möglich sein. In 10 EU-Ländern gilt inzwischen Gleichbehandlung der Leiharbeitskräfte ohne Ausnahme. In keinem Land der EU sind die Lohnunter­schiede so hoch wie in Deutschland. Wir haben hier eindeutig die Rote Laterne.

Der DGB ruft deswegen am 24.02.2011 zu einem Aktionstag auf.

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