Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 63/2018 - 07.08.2018
Puh! Zu viele Überstunden im Norden

Arbeitszeiten: Die meisten sind unzufrieden

Die Gewerkschaften fordern die Arbeitgeber auf, Überstunden-Exzesse in den Betrieben zu unterbinden und den Beschäftigten eine Reduzierung ihrer Arbeitszeiten zu ermöglichen - insbesondere während der heißen Sommermonate. Rund 135 Millionen Überstunden haben Beschäftigte in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern abgeleistet, mehr als die Hälfte davon unbezahlt. Der DGB Nord schätzt, dass die tatsächliche Zahl der Überstunden die Daten aus dem Mikrozensus 2016 um das Doppelte übertrifft. 50 Prozent der männlichen und gut 40 Prozent der weiblichen Beschäftigten würden ihre Arbeitszeit gerne verkürzen. Nur jeweils rund 40 Prozent der männlichen und weiblichen Beschäftigten sind mit dem Umfang ihrer Arbeitszeit zufrieden. Bundesweit sind den Beschäftigten im letzten Jahr mehr als 20 Milliarden Euro Lohn und Gehalt entgangen, weil Überstunden nicht entgolten wurden.

Ingo Schlüter, stellvertretender Vorsitzender des DGB Nord:

"Das Niveau an Überstunden im Norden ist viel zu hoch und gefährdet die Gesundheit - erst recht während der aktuellen Bullenhitze. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass nach acht Stunden Arbeit die Unfallquote steigt und die Effizienz sinkt. Den Beschäftigten im Norden entgehen pro Jahr mindestens eine Milliarde Euro, weil ihre Arbeitgeber Mehrarbeit oft als Gratisleistung betrachten. Immer mehr Überstunden erschweren es, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bringen. Nur 47 Prozent der Beschäftigten gehen davon aus, bis zur Rente durchhalten zu können. Einstellungen statt Überstunden lautet daher das Gebot der Stunde. Wir brauchen eine neue Ordnung der Arbeit und klare Grenzen, gerade in der digitalisierten Arbeitswelt. Arbeitszeiten müssen präzise erfasst und bezahlt werden, auch wenn Beschäftigte im Home-Office sind. Die Arbeit kann fair verteilt werden, das zeigen auch jüngste Tarifabschlüsse. Flexible Arbeitszeitmodelle mit Perioden reduzierter Arbeit, Brückenteilzeit, altersgerechte Arbeitszeitgestaltung entlang der Lebensphasen sowie arbeitnehmerfreundliche Arbeitszeitkonten können dabei helfen."


Die Zahlen für den Norden (laut Schätzungen des DGB Nord fällt die tatsächliche Zahl doppelt so hoch aus):

Schleswig-Holstein: 20,38 Millionen unbezahlte und 9,76 Millionen bezahlte Überstunden (32 Prozent der Überstunden werden nur bezahlt; Frauen bekommen nur zu 27 Prozent bezahlt, Männer zu 35 Prozent)

Hamburg: 14,368 Millionen unbezahlte und 8,182 Millionen bezahlte Überstunden (36 Prozent der Überstunden werden nur bezahlt; Frauen bekommen nur zu 31 Prozent bezahlt, Männer zu 38 Prozent)

Mecklenburg-Vorpommern: 8,438 Millionen unbezahlte und 8,218 Millionen bezahlte Überstunden (kaum Geschlechterunterschiede; knapp die Hälfte wird bezahlt, alle Angaben laut Mikrozensus 2016)


Weitere Informationen zum Thema Überstunden:

https://www.dgbrechtsschutz.de/recht/arbeitsrecht/ueberstunden/10-fragen-und-antworten-ueberstunden/

 


Der DGB Bezirk Nord umfasst die Bundesländer Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Die Gewerkschaften zählen in den drei Ländern zusammen mehr als 400.000 Mitglieder. Der DGB ist der Bund der Gewerkschaften. Gemeinsam vertreten der Bund und die Mitgliedsgewerkschaften die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.


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