Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 03 - 05.01.2017

Rechtsanspruch auf Vollzeitarbeit: Die Arbeitgeber im Dino-Modus

Wer Teilzeit arbeitet, soll künftig einen Rechtsanspruch darauf haben, danach wieder auf eine Vollzeit-Stelle zurückzukehren, so der Plan von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles. Die Gewerkschaften unterstützen das Vorhaben. Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Nord, warnt die Arbeitgeber vor realitätsfernen Gruselgeschichten, in denen mal wieder ein „Bürokratiemonster“ auftritt: „Erst hört man aus der Chefetage, der Mindestlohn, der vor allem Frauen nach vorne gebracht hat, sei wegen der Arbeitszeiterfassung zu bürokratisch. Dann erklären sie, das Entgeltgleichheitsgesetz sei überflüssig. Nun wird über das Rückkehrrecht in Vollzeit gejammert – die Arbeitgeber müssen aufpassen, nicht als gleichstellungspolitische Dinosaurier dazustehen. So verprellen sie auch viele qualifizierte weibliche Fachkräfte, die sich sehr genau angucken, ob ihr Arbeitgeber modern aufgestellt oder von vorgestern ist. Das Vorhaben der Großen Koalition trägt den geänderten Lebensentwürfen der Familien Rechnung. Die Arbeitgeber dürfen nicht nur immer von ihren Beschäftigten Flexibilität einfordern – sie müssen sie auch selber mal zeigen.“ Wer den Wunsch von vor allem Arbeitnehmerinnen als „Arbeitszeitroulette“ herabwürdige, habe nicht verstanden, worum es im Alltag geht.

In Hamburg arbeiten 26,7 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Teilzeit, in Schleswig-Holstein 30,1 Prozent und in Mecklenburg-Vorpommern 28,2 Prozent -  teils freiwillig, teils unfreiwillig.

„Befristete Teilzeit schafft den Raum für Weiterbildung, Ehrenamt und auch für Kinder. Die unbefristete Teilzeit ohne Rückkehrrecht auf Vollzeit hat viele Frauen von Einkommen und Aufstiegschancen abgeschnitten. Die Teilzeitfalle ist auch eine Rentenfalle, weil dann später geringere Rentenansprüche entstehen. Deshalb brauchen Beschäftigte das Recht, darüber mitzuentscheiden, wann sie arbeiten, ob aufzustocken oder reduzieren oder neue Arbeitszeitmodelle inklusive Home-Office nutzen wollen. Im Rahmen des Arbeitszeitgesetzes ist da vieles möglich, das wissen auch die Arbeitgeber“, so Polkaehn.

In Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern stellt sich die Lage wie folgt dar (Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, ohne Minijobs):

Mecklenburg Vorpommern

nach der Arbeitszeit und Geschlecht

dar. in Vollzeit

71,8

393.009

           Männer

59,8

234.963

           Frauen

40,2

158.046

       in Teilzeit

28,2

154.488

           Männer

19,5

 30.066

           Frauen

80,5

124.422

 

Hamburg

 nach der Arbeitszeit und Geschlecht

dar. in Vollzeit

73,3

681.269

           Männer

63,2

430.536

           Frauen

36,8

250.733

       in Teilzeit

26,7

247.973

           Männer

26,3

 65.221

           Frauen

73,7

182.752

 

Schleswig-Holstein

 nach der Arbeitszeit und Geschlecht

dar. in Vollzeit

69,9

649.683

           Männer

66,0

428.592

           Frauen

34,0

221.091

       in Teilzeit

30,1

279.726

           Männer

19,5

 54.468

           Frauen

80,5

225.258

 Quelle: Statistik Bundesagentur für Arbeit, März 2016


Der DGB Bezirk Nord umfasst die Bundesländer Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Die Gewerkschaften zählen in den drei Ländern zusammen rund 420.000 Mitglieder. Der DGB ist der Bund der Gewerkschaften. Gemeinsam vertreten der Bund und die Mitgliedsgewerkschaften die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.


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