Deutscher Gewerkschaftsbund

26.10.2022
Vier Gewerkschafter*innen prämieren Dokumentarfilm

Nordische Filmtage: Der DGB-Preis geht an...

DGB-Preis in Höhe von 5.000 Euro vergeben

Filme mit einer Gesamtlänge von 21 Stunden und 37 Minuten hat unsere Jury bei den Nordischen Filmtagen in Lübeck in diesem Jahr geschaut. Dann haben Elisabeth Reinert (GEW), Carsten Gutjahr (GdP) und Bettina Fuchs (IG BAU) entschieden, welcher Film unseren Dokumentarfilmpreis in Höhe von 5.000 Euro bekommt. Jurymitglied Birte Günther (ver.di) ist leider kurz vor den Filmtagen krank geworden. Im Interview unten blickt Bettina Fuchs zurück auf tolle Filme und berührende Momente.


Bettina, das Filmfest ist vorbei, wie war es?

Viele der Filme aus der Sichtung haben uns sehr berührt! Wie Carsten es absolut treffend ausdrückte: Wir hatten einen „emotionalen Muskelkater“. Und am Ende des jeweiligen Sichtungstages gab es viel Diskussionsbedarf.

Der Siegerfilm aus Finnland, Armotonta menoa – Hoivatyön lauluja, gehört dazu?

Ja, absolut! Das Thema des Siegerfilm greift die Zustände in der Pflege auf, die Arbeitsbedingungen und die totale Erschöpfung der Beschäftigten und die Hilflosigkeit der Menschen, die dort altern und auch sterben. Es hat uns sehr beeindruckt, dass die Pflegerinnen Gesicht und Stimme zeigen und so mutig sind, ihren Arbeitgeber im Gesang anzuklagen. Ein verdienter Gewinnerfilm.

Den Film Nelly & Nadine habt ihr lobend erwähnt. Warum?

Diese Liebesgeschichte über zwei Frauen, die sich im Konzentrationslager Ravensbrück kennenlernen, zunächst aus den Augen verlieren und dann ihre Liebe bis zum Tod geheim halten, war sehr berührend! Dieser Film hatte so viele Wendungen und am Ende war man dankbar, dass das Tagebuch von Nelly und Nadine dokumentarisch verfilmt wurde und wir diese Geschichte erfahren durften. Dafür gab es unsere lobende Erwähnung.

An welche filmischen Momente musst Du noch besonders zurückdenken?

In „House made of Splitters“ geht es um ein Kinderheim in der Ukraine, noch bevor der Krieg ausgebrochen ist. Der Film begleitet die Kinder sehr behutsam und die Schicksale der Kinder haben uns sehr bewegt.

Für rege Diskussion gesorgt hat auch der Film „A Taste of Whale“. Darin geht es um den traditionellen Fang der Grindwale auf den Färöer Inseln. Die Proteste der Aktivist*innen von Sea Shepard werden den Argumenten der Walfänger filmisch gegenübergestellt. Sehenswert!

In einem Film ging es auch explizit um die Bedingungen von Arbeit.

Ja, aus Gewerkschaftssicht war der Film „Happy Workers“ natürlich interessant. Hier geht es um Stress, Belastungen am Arbeitsplatz und daraus resultierende Erkrankungen. Nicht nur Stress, sondern Depressionen, Burn Out bis hin zum Selbstmord durch starre Arbeitsmodelle. Leider ist es dem Regisseur nicht gelungen, in nur 75 Minuten dieses bedeutsame und komplexe Thema abzuhandeln.

Und freust Du dich schon wieder auf das nächste Jahr?

Selbstverständlich freue ich mich! Das ist dann mein 15. Einsatz in der Jury des Festivals. Und das bei den 65. Nordischen Filmtagen. Ich freue mich, wieder im Team wunderbare Dokumentationen zu sehen und in die Diskussion zu gehen. Jedes Jahr wieder ein Erlebnis!


 

And the winner is...

Armotonta menoa – Hoivatyön lauluja / Ruthless Times – Songs of Care

Regie: Susanna Helke
Finnland, 2022, 92 Min.

Und so begründet die Jury, bestehend aus unseren vier Gewerkschaftskolleg*innen Elisabeth Reinert (GEW), Birte Günther (ver.di), Carsten Gutjahr (GdP) und Bettina Fuchs (IG BAU) ihre Wahl im Jurystatement:

"Die Jury des Dokumentarfilmpreises des DGB Bezirk Nord zeichnet einen Film aus, der uns vor Augen führt, dass beim würdevollen Altern und auf dem letzten Weg niemals Profit im Vordergrund stehen darf. Die mutigen und unermüdlichen Pflegerinnen zeigen Gesicht und erheben ihre Stimmen. Der Preis geht an: Ruthless Times - Songs of Care"

Hier geht es zum Trailer des Films.


Eine Lobende Erwähnung der Jury gab es für

Nelly & Nadine

Regie: Magnus Gertten
Schweden / Norwegen / Belgien, 2022, 93 Min.

Jurystatement:

"Lobende Erwähnung für Nelly und Nadine. Diese Liebesgeschichte hat uns fasziniert."

Unter diesem Link finden sich alle Preisträgerfilme der diesjährigen Fimtage.


 

"Bringt uns zum Weinen"
Interview mit der Jury vor dem Fimfest

Sie sind schon eine "richtige Filmfest-Familie": Unsere vier Kolleg*innen Elisabeth Reinert (GEW), Birte Günther (ver.di), Carsten Gutjahr (GdP) und Bettina Fuchs (IG BAU) vergeben unseren DGB-Dokumentarfilmpreis in Höhe von 5.000 Euro bei den Nordischen Fimtagen in Lübeck vom 2. bis 6. November.

Warum wir diesen Preis vergeben? Weil wir finden, dass sozialpolitische Dokumentarfilme, die sich innovativ mit Veränderungen in unserer Gesellschaft auseinandersetzen, eine größere Öffentlichkeit verdient haben. Mit dem Preis wollen wir die Arbeit der Fimemacher*innen unterstützen und bei der Verbreitung helfen.

Im Interview berichtet Kollegin Bettina Fuchs über die Arbeit der Jury.

DGB-Jury Nordische Filmtage 2022

DGB-Jury Nordische Filmtage 2022 NFL/W.D.Turné

Bettina, freust Du Dich schon auf die Filmtage?

Absolut! Ich bin jetzt schon im 14. Jahr dabei. Mittlerweile ist das wie eine Sucht. Ich bin immer wieder begeistert, was die Filmemacher*innen auf die Leinwand bringen.

Bist Du so ein Kino-Junkie?

Nicht unbedingt. Es geht mir vor allem um die Inhalte. Ich finde, Dokumentarfilme werden häufig unterschätzt. Dabei ist das eine große Leistung, was die Filmemacher*innen zeigen. Sie erzählen ja keine fiktive Geschichte, sondern berichten über reale Ereignisse, Menschen und ihre Schicksale. Und das so, dass einem das sehr nah gehen kann. Deswegen finde ich es auch so wichtig, dass der DGB Nord diesen Preis vergibt.

Ihr schaut Filme mit einer Gesamtlänge von 21 Stunden und 37 Minuten. Schaltet man da nicht irgendwann ab?

Auf keinen Fall. Gute Filme schaffen es wie kein anderes Medium, einen zu berühren. Da muss man auch mal weinen. Das ist uns allen Jurymitgliedern schon passiert. Aber in dieser Rolle darf man während eines Films ja auch nicht einfach das Kino verlassen. Du musst den Film bis zum Ende sehen.

Aber Deine Aufgabe ist es nicht nur, Filme zu gucken.

Oh nein. Ich kümmere mich auch um die ganze Organisation drumherum für meine Kolleg*innen aus der Jury: Dass alle ihre Eintrittskarten haben, die Mappen zu den Filmen, und so weiter. Da bin ich einige Tage gut mit beschäftigt. Alles ehrenamtlich. Aber der Aufwand lohnt. Nächstes Jahr bin ich ganz bestimmt wieder dabei.


Auf der Facebook-Seite der DGB Region Schleswig-Holstein Südost in Lübeck (KLICK) berichtet die Jury während der Filmtage regelmäßig über ihre Arbeit. Schaut rein!


 

Weitere Infos zu den Filmtagen

 


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