Deutscher Gewerkschaftsbund

19.11.2021

Aktionstag im Norden am 25. November: „Nein zur Gewalt gegen Frauen“

Sexuelle Gewalt am Arbeitsplatz trifft überwiegend Frauen

Mit zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen werden in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern in der kommenden Woche deutliche Zeichen gegen Gewalt an Mädchen und Frauen gesetzt. Die Gewerkschaften thematisieren dabei besonders Übergriffe und sexuelle Belästigungen im Betrieb. Höhepunkt ist der Aktionstag am 25. November. 

Sexuelle Gewalt am Arbeitsplatz trifft überwiegend Frauen. Mit der „Konvention 190“ hat die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) erstmals ein internationales Übereinkommen gegen Gewalt am Arbeitsplatz beschlossen, das eine weltweit gültige Definition von sexualisierter Belästigung und Gewalt in der Arbeitswelt festlegt. Griechenland hat als erster europäischer Staat das Übereinkommen im August dieses Jahres ratifiziert und auch Italien hat Ende Oktober die Ratifizierung bei der ILO eingereicht. Jetzt muss auch Deutschland endlich Flagge zeigen und diesen Beispielen folgen.

„Gewalt gegen Frauen ist auch in Europa und Deutschland immer noch ein riesengroßes Problem - häusliche und betriebliche Gewalt ist mitten unter uns. Während der Pandemie und durch die Kontaktbeschränkungen hat häusliche Gewalt – aufgrund von Stress und Existenzängsten - sogar zugenommen. Doch darüber zu reden, ist vielfach ein Tabu. Niemand darf aber wegschauen oder mit Gleichgültigkeit reagieren, wenn er zum Mitwisser wird. Mit unserer Aktion wollen wir Arbeitnehmerinnen, Auszubildende, Frauen und Mädchen ermutigen, sich gemeinsam zu wehren. Die Gesellschaft muss wach werden und den Skandal der Gewalt gegen Frauen und Kinder beenden“, fordert Lisanne Straka, die beim bei DGB Nord für Gleichstellungsfragen zuständig ist.

Straka weiter: „Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist schwerwiegend: Sie kann das Betriebsklima vergiften, die Leistung des Unternehmens beeinträchtigen, betroffene Mitarbeiterinnen demotivieren und krank machen.“ Sexuelle Belästigung sei zwar in den meisten Betrieben kein Thema – das bedeute aber nicht, dass sie im eigenen Unternehmen nicht vorkomme.

Der DGB weist darauf hin, dass die Unternehmen gesetzlich verpflichtet sind, gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz vorzugehen (§ 12ff. AGG). Sie müssen vorbeugende Maßnahmen treffen, ihre Beschäftigten schulen, im Fall einer sexuellen Belästigung die geeigneten, erforderlichen und angemessenen Maßnahmen gegenüber belästigenden Beschäftigten ergreifen. Dazu gehören Abmahnung, Umsetzung, Versetzung oder Kündigung. Betriebe müssen auch wirksame Maßnahmen gegenüber belästigenden Dritten ergreifen, Beschwerdestellen einrichten sowie die Belegschaft über diese und das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) informieren. Straka: „Doch noch zu wenige Unternehmen tut dies. Das wollen wir ändern. Vor allem Führungskräfte brauchen in diesem Punkt Fortbildung.“ Es fehle in vielen Betrieben an Ansprechpartner*Innen, Beratungsangeboten, Notrufnummern und Aushängen am Schwarzen Brett.

Der DGB Nord bekennt sich mit der Unterzeichnung der bundesweiten  Erklärung „Gemeinsam gegen Sexismus und sexuelle Belästigung“ zu dem Ziel, eine gleiche Teilhabe aller Menschen in Kultur und Medien, frei von Sexismus, sexueller Belästigung und rückwärtsgewandten Rollenstereotypen – an den Arbeitsplätzen, aber auch in Texten, Filmen und auf der Bühne. https://www.dialogforen-gegen-sexismus.de/gemeinsame-erklaerung-gegen-sexismus.

Mach mit bei unserer Foto-Aktion und zeig Gesicht gegen Gewalt an Frauen.

Um den 25. November werden auf und vor vielen Gewerkschaftshäusern die Fahnen: „Nein zu Gewalt an Frauen!“ wehen. Die Aktion soll an den Gemeinschaftssinn der Bevölkerung und an die Zivilcourage jedes Einzelnen appellieren. Auch du kannst bei der Fotoaktion Gesicht zeigen. Hol dir die Vorlagen (s. rechts). 

Fahnenaktion

DGB Nord

Am 12. Oktober 2017 hat Deutschland die Istanbul-Konvention zur Verhütung und  Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen ratifiziert, die am 1. Februar 2018 in Kraft  getreten ist. Mit diesem Übereinkommen verpflichtet sich Deutschland auf allen staatlichen Ebenen alles dafür zu tun, Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen.

Der DGB fordert mit Nachdruck, dass alle staatlichen Institutionen bei der Bekämpfung von häuslicher Gewalt handlungsfähig ausgestattet und die notwendigen personellen Ressourcen zur Verfügung gestellt und die für die entsprechenden Aufgaben notwendige Qualifikation der Beschäftigten sichergestellt werden.

Deshalb fordern wir:

  • Alle Opfer von häuslicher Gewalt haben einen Rechtsanspruch auf sofortigen Schutz und Hilfe bei Gewalt, unabhängig von Einkommen, Aufenthaltsstatus, Herkunftsort, gesundheitlicher Einschränkung oder Behinderung, unabhängig von Geschlecht und sexueller Ausrichtung, Religion und Sprache der Betroffenen.
  • Eine ständige Erreichbarkeit (24/7) von Justizbehörden (wie Staatsanwaltschaft und Gericht), Jugendämtern oder vergleichbaren Einrichtungen sowie eine Rufbereitschaf der Ausländer-, Immigrations- und Einbürgerungsbehörden müssen gewährleistet sein.

(Beschluss DGB Bundesfrauenkonferenz, 19.11.2021)


Die Folgen von digitaler Gewalt können genauso massiv sein, wie von physischer Gewalt.

Betroffene Personen leiden häufig unter Angst- und Panikattacken, entwickeln Depressionen und Suizidgedanken. Da digitale Gewalt immer und überall im Netz stattfinden kann, gibt es keinen geschützten Raum, sie führt häufig zu sozialer Isolation und dem Verzicht auf Medien. Es ist wichtig, die Öffentlichkeit über digitale Gewalt aufzuklären und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie man ihr entgegentreten kann.

Der DGB setzt sich dafür ein, dass zur Bekämpfung digitaler Gewalt alle notwendigen gesetzlichen Regelungen angepasst werden, indem die Phänomene der digitalen Gewalt (z. B. Cyber-Mobbing, Cyber-Stalking, sexualisierte Gewalt im Netz) sich umfänglich wiederfinden. Insbesondere müssen Social Media-Unternehmen stärker in die Verantwortung genommen werden.
Zur Vorbeugung des Phänomens der digitalen Gewalt sind entsprechende öffentlich zu finanzierende Präventionsprojekte zwingend auf allen Ebenen zu entwickeln bzw. fortzuführen.

(Beschluss der DGB Bundesfrauenkonferenz, 19.11.2021)


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Mach mit bei der Foto-Aktion!

Ingo Schlüter
DGB Nord
19.11.2021

#neinzugewaltanfrauen

Macht ein Bild mit der einem der Aktionsschilder (s.u. vier zur Auswahl) und/oder der neuen Fahne „Nein zu Gewalt an Frauen“:

► Aktionsschild in A4 ausdrucken
► hochhalten, Foto machen
► online posten oder den DGB Frauen zuschicken, damit es über unsere Kanäle gepostet wird.

Analog freuen wir uns über Bilder von euch vor/unter der Aktions-Fahne oder mit dem MS-Teams-Hintergrund.

Schickt die Bilder an:

DGB Bezirk Nord
Lisanne.Straka@dgb.de

DGB Frauen 
fgf@dgb.de

Aktionsschilder zum Download: