Deutscher Gewerkschaftsbund

24.01.2023
Unser Blog zum Wandel der Arbeit im Norden

Hallo ChatGPT, hilfst du uns bei der Gleichstellung?

Künstliche Intelligenz – geht da was?


Was T=D hoch 3 x G bedeutet, wie wir das Verhältnis Mensch-Maschine aus gewerkschaftlicher Sicht gestalten sollten und was in Schleswig-Holstein schon gut läuft, sagt Lisanne Straka in diesem Beitrag. Sie ist im DGB Bezirk Nord zuständig für Frauen- und Gleichstellungspolitik.

Der Wandel der Arbeit hat eine ganz einfache Formel: T=D hoch 3 x G. Klar, oder?

T steht für Transformation, also den Wandel. D für Digitalisierung, Dekarbonisierung und Demographie. Drei riesige Felder, die die Veränderungen der Arbeit maßgeblich bestimmen.

Und jetzt kommt der Multiplikator: Die Gleichstellung. Denn mit welchem Wandlungsprozess wir uns auch beschäftigen und welche Veränderungen wir anschieben - Gleichstellung muss immer mitgedacht werden.

Ziel: Eine digitale Arbeitswelt mit gleichen Chancen für Frauen und Männer

Einen Bereich möchte ich dabei in diesem Blog herauspicken. Den der Digitalisierung und dabei speziell die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI).

Unser Ziel in den Gewerkschaften ist es, eine digitale Arbeitswelt mit gleichen Chancen für Frauen und Männer zu schaffen. So haben wir es beim DGB Bundeskongress 2022 beschlossen.

Ist KI dabei ein Verstärker oder bewirkt sie eher das Gegenteil?

Ein Chat mit KI über Gleichstellung

Am besten fragen wir sie einmal selbst. Ich habe mit ChatGPT gechattet. Das ist ein Textgenerator auf einer Internetseite, basierend auf KI, und derzeit in aller Munde (Stand Januar 2023). Denn viele meinen, hier zeigt sich schon sehr deutlich, zu was KI alles fähig ist und wie sie unser Leben in den nächsten Jahren radikal verändern wird.

Von ChatGPT wird jede Frage beantwortet. Die Antworten des Chatbots sind zwar computerbasiert (und oft auch fehlerbehaftet) und doch muten sie sehr menschlich an.

Lest selbst ...

Sind deine Antworten diskriminierungsfrei?
Als Sprachmodell bin ich an einem großen Textdatensatz geschult und gebe mein Bestes, um auf Fragen genaue und unvoreingenommene Informationen zu geben. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Daten, die zu meiner Schulung verwendet werden, Vorurteile enthalten können und meine Antworten diese Vorurteile möglicherweise versehentlich widerspiegeln.

Haben dich mehr Männer oder Frauen ausgebildet?
Das Team, das mich aufgebaut und ausgebildet hat, besteht aus Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund, darunter Männer und Frauen. Es ist erwähnenswert, dass die Repräsentation von Frauen in der Technologie, einschließlich der KI, im Vergleich zu Männern immer noch unverhältnismäßig gering ist, und dies ist ein Problem, an dem die Branche arbeitet, um es anzugehen.

Ist KI gut für die Gleichstellung von Frauen und Männern?
Künstliche Intelligenz hat das Potenzial, ein wirksames Instrument zur Förderung der Gleichstellung zu sein, aber sie hat auch das Potenzial, bestehende Vorurteile in der Gesellschaft aufrechtzuerhalten und zu verstärken. Dies liegt daran, dass KI-Systeme mit Datensätzen trainiert werden, die die Gesellschaft und Kultur widerspiegeln, in der sie erstellt wurden, und diese Datensätze können Verzerrungen enthalten.

ChatGPT

Monster Studio Via Canva


Die Computerantworten zeigen es verblüffend ehrlich auf: Ja, KI bietet Chancen, aber wir müssen sehr aufpassen. Das haben wir auch auf dem Bundeskongress festgehalten:
 
Künstliche Intelligenz entscheidet (oft) auf der Grundlage von Daten aus der Vergangenheit. Sie läuft damit Gefahr, das digitale Spiegelbild von Klischees und Vorurteilen zu werden und birgt das Risiko, Diskriminierungen fortzuschreiben: Kommen Frauen im Datenpool gar nicht oder nur selten vor, werden Männer z. B. als die besseren Führungskräfte eingeschätzt. Bei der Vergabe von Aufstiegsfortbildungen werden Lücken in der Erwerbsbiografie, zum Beispiel aufgrund von Pflege- oder Erziehungszeiten, als mangelndes Interesse am beruflichen Fortkommen gewertet. Geschlechtsspezifische Vorurteile aufgrund individueller Berufs- und Lebenserfahrungen drohen sich zu verstärken, wenn sie maschinell gelesen werden.

Die Informationstechnologie-Branche ist eine Männerdomäne

Nur eine Zahl: Der Frauenanteil liegt beharrlich bei 16 Prozent. Die Informationstechnologie-Branche ist eine Männerdomäne. Was also tun? Unter anderem fordern wir in unserem Beschluss

die Entwicklung diskriminierungsfreier KI-Systeme u. a. durch die Sicherstellung von Transparenz, die stärkere Beteiligung von Frauen sowie eine Risikoprüfung auf Geschlechterdiskriminierung und eine anschließende Zertifizierung.

Schleswig-Holstein hat eine eigene KI-Strategie

Ein Beispiel, wie sich das praktisch niederschlagen kann, kommt aus Schleswig-Holstein. Dort hat das Land eine eigene Strategie für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz.

Im Handlungsrahmen dafür heißt es zum Beispiel für den Bereich der Verwaltung, es müsse sichergestellt werden, „dass KI-Ergebnisse bereits bestehende Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern nicht weiter verfestigen, beziehungsweise vermeiden.“

An anderer Stelle steht – und das ist noch klarer formuliert – „wir möchten, dass der Einsatz von KI-Technologie Made in Schleswig-Holstein zur Chancengerechtigkeit beiträgt.“

Mahnen wir überall den gleichstellungspolitischen Blick auf den Wandel an

Nur so kann es gehen: Wir werden und wollen die Weiterentwicklung von KI nicht stoppen. Technikfeindlichkeit wird uns nicht helfen. Aber wir dürfen uns auch nicht überrollen lassen von dem was kommt.

Bleiben wir wachsam. Gehen wir in die Auseinandersetzung, mahnen wir überall den gleichstellungspolitischen Blick auf den Wandel an, sorgen wir dafür, dass Betriebs- und Personalrät*innen bei der Einführung von KI mitbestimmen können und den Beschäftigten ausreichend digitale Kompetenzen vermittelt werden.

Die Chancen von KI für die Gleichstellung sehen

Auch die KI-Strategien in unseren Nord-Ländern sollten die gleichstellungspolitische Perspektive immer enthalten, so wie es zum Beispiel in Schleswig-Holstein der Fall ist.
Die Umsetzung steht dann natürlich noch auf einem anderen Blatt. Da kommen vielfältige Aufgaben auf uns zu. Gehen wir sie gemeinsam an. Dann kann gelingen, was in unserem Beschluss steht: 

Wird die Digitalisierung jedoch politisch, tariflich und betrieblich unter Berücksichtigung der Geschlechterperspektive gestaltet, kann sie einen Beitrag zur Überwindung der Unterschiede in den Arbeits- und Lebensbedingungen von Frauen und Männern leisten und sogar strukturelle Hemmnisse beseitigen.

(Lisanne Straka, Felix Hoffmann)

Zum Nachlesen:

Der beschlossene Antrag vom Bundeskongress 2022

WANDEL IST WEIBLICH – Die Geschlechterperspektive in der Transformation verankern!


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Kurzprofil

Lisanne Straka
Lisanne Straka leitet die Abteilung Frauen- und Gleichstellungspolitik beim DGB Bezirk Nord.
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