Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 66 - 18.11.2022
Erklärung von ver.di und DGB Nord

Einsparpläne bei der Ostseezeitung sind überzogen und falsch

SPD muss über ihre Medienholding Einfluss auf die Planungen nehmen

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di Nord) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB Nord) verurteilen die überraschend bekannt gegebenen Einsparpläne bei der Ostsee-Zeitung, die die Schließung des Druckstandortes, des Anzeigensatzes und der Bildbearbeitung vorsehen.

Die Ostsee-Zeitung hatte zuletzt ein Jahresergebnis von knapp neun Millionen Euro ausgewiesen.

„Die Überrumpelungstaktik, mit der die Unternehmensführung die geplanten Maßnahmen kommuniziert hat, ist zeitlich wie inhaltlich unakzeptabel und wird von uns so nicht hingenommen“, so Conny Töpfer stellvertretende Landesleiterin von ver.di Nord.

„Hier sollen Dutzende Kolleginnen und Kollegen ihren Arbeitsplatz verlieren, die über viele Jahre durch Einkommensverzicht dem Unternehmen wirtschaftliche Spielräume eröffnet haben. Es ist unerträglich, dass ein Unternehmen, das nachweislich Millionenüberschüsse erwirtschaftet, den Strukturwandel in den Medien einseitig zu Lasten der Beschäftigten bewältigen will! Das wird einen massiven Protest hervorrufen!“, so die Gewerkschafterin weiter.

„Vor allem empört uns, dass hier ein tarifgebundener Betrieb geschlossen und Aufträge an tariflose Firmen vergeben werden sollen. Wir fordern die Verlagsleitung auf, auch die Härtefallhilfen des Bundes und des Landes aktiv zu nutzen, um den Arbeitsplatzabbau bei der OZ abzuwenden!“ erklärte Ingo Schlüter, stellvertretender Vorsitzender des DGB Nord. Unter den Betroffenen seien zahlreiche Kolleginnen und Kollegen, die seit Jahrzehnten bei der größten Tageszeitung Mecklenburg-Vorpommerns arbeiten. „Auch die SPD trägt eine besondere Verantwortung für die Beschäftigten bei der Ostseezeitung und die Medienvielfalt im Land. Die SPD muss jetzt über ihre Medienholding ddvg, mit der die Partei der größte Gesellschafter des OZ-Mutterkonzerns Madsack ist, gegen die Verlagspläne aktiv werden“, so Schlüter weiter.

Die Geschäftsleitung der Ostsee-Zeitung hat dem Betriebsrat am Mittwochnachmittag und nur eine Stunde später den Betroffenen überraschend mitgeteilt, dass das Anzeigenblatt Ostsee-Anzeiger zum Jahresende eingestellt werden soll.

Dadurch würde sich die die Auslastung der Druckerei so stark reduzieren, dass sich der Standort Rostock nicht mehr lohnen würde.

Die Ostsee-Zeitung soll nach Vorstellung der Geschäftsführung daher – in verkleinertem Format – künftig in Neubrandenburg beim Nordkurier gedruckt werden.

Zu geringe Auslastung und zu hohe Kosten im Vergleich zu tariflosen Anbietern wurden auch als Grund für die Schließung des Anzeigensatzes und der Bildbearbeitung angeführt.


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