Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 16.08.2010

Job-Wunder oder Job-Fata Morgana?

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Wunder scheint es doch weniger zu geben als allgemein geglaubt wird. Manche wollen anderen auch gerne Wunder einreden, wenn es denn zweckdienlich ist.

Nehmen wir beispielsweise einmal den Arbeitsmarkt unter die Lupe. Die Arbeitslosenzahlen in der offiziellen Statistik sinken. Jubel. Aber sind die Arbeitslosen alle in neue Jobs gekommen, wo sie ein Existenz sicherndes Einkommen beziehen? Nur eine Minderheit der Arbeitslosen scheidet aus der Arbeitslosigkeit aus, in dem sie in den ersten Arbeitsmarkt wechseln. Andere Gründe für die sinkende Zahl der Arbeitslosen sind die demografische Entwicklung, andere statistische Erfassungsmethoden, die Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik oder das Abwandern in die sogenannte stille Reserve.

Selbst das Statistische Bundesamt sieht ein Anwachsen von atypischen Beschäftigungsverhältnissen, worunter sie Teilzeitarbeit, Mini-Jobs, Leiharbeit und befristete Arbeitsverhältnisse verstehen. Gefördert werden die prekären Arbeitsverhältnisse durch die Bundespolitik, die 2001 das Teilzeit- und Befristungsgesetz verabschiedete und mehrmals die Leiharbeit deregulierte.

Gucken wir uns das einmal im Norden etwas genauer an.

Schleswig-Holstein:

Von 2003 bis 2008 sank die Zahl der Vollzeitarbeitsplätze um 4.000 auf 644.000; die Zahl der Teilzeitarbeitsplätze stieg um 3.600 auf 169.000 und die Leiharbeit um 6.800 auf 13.900. Die Zahl der ausschließlich geringfügig Beschäftigten erhöhte sich um 17.500 auf 175.300. Außerdem gab es noch rund 10.000 Menschen in 1-€-Jobs.

Hamburg:

Hier stieg die Zahl der Vollzeitbeschäftigten von 2003 bis 2008 um fast 29.000 auf 653.000 an; die Zahl der Teilzeitbeschäftigten nahm um 19.000 auf 144.000 zu und die Leiharbeit um 15.000 auf 27.600. Die Zahl der ausschließlich geringfügig Beschäftigten nahm um 11.500 auf 100.500 zu. Knapp 11.000 Menschen übten einen 1-€-Job aus.

Mecklenburg-Vorpommern:

Im Nordosten verringerte sich die Zahl der Vollzeitarbeitsplätze von 2003 bis 2008 um 29.000 auf 425.600; die Zahl der Teilzeitarbeitsplätze stieg um 23.300 auf 94.800 an und die Leiharbeitszahl erhöhte sich um 2.600 auf 9.600. Die Zahl der ausschließlich geringfügig Beschäftigtenstieg um 2.700 auf 67.169. Rund 17.000 Menschen haben einen 1-€-Job.

Fazit:

Das Job-Wunder in Norddeutschland ist tatsächlich auf Hamburg konzentriert. Da, wo die Löhne am höchsten sind, wie das Statistische Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein errechnete, sind tatsächlich neue Vollzeitarbeitsplätze entstanden. Nicht im Billiglohnland Mecklenburg-Vorpommern; nicht im Flächenland Schleswig-Holstein, das im westdeutschen Vergleich zu den Ländern mit niedrigeren Verdiensten zählt.

Was für manche ein Job-Wunder ist, erfahren viele Arbeitnehmer/innen als prekäre Arbeitsverhältnisse.

Niedriglöhne bieten keine nachhaltige Perspektive. Nur Gute Arbeit - Gute Verdienstmöglichkeiten eröffnen Chancen auf Innovationen, neue Produkte und Dienstleistungen. Innovative Arbeitnehmer gibt es nicht für Sklavenlöhne. Wer Angst vor Armut oder sozialem Abstieg hat, der kann keine Höchstleistungen bringen. Deshalb macht es wirtschaftlich Sinn, durch einen Mindestlohn eine untere Sicherheitslinie einzuziehen, die nicht unterschritten werden darf.

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