Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 11 - 19.02.2019

DGB-Ausbildungsreport 2019 Mecklenburg-Vorpommern

Überstunden, ständige Erreichbarkeit und fehlende Betreuung sind Alltag für viele Azubis

Flexibilisierungsdruck, Überstunden, Schichtarbeit; in puncto Ausbildungsqualität liegt in Mecklenburg-Vorpommern noch vieles im Argen, auch wenn der überwiegende Teil der Azubis mit der Ausbildung zufrieden ist. Das ist das Ergebnis des Ausbildungsreports Mecklenburg-Vorpommern 2019, den die DGB-Jugend Nord heute in Schwerin vorgestellt hat.

Ingo Schlüter, stellvertretender Vorsitzender DGB Nord: „Bei der Ausbildung handelt es sich nicht um ein Arbeits-, sondern um ein Lehrverhältnis. Die Azubis haben ein Recht auf einen guten Start ins Berufsleben, die Betriebe die Pflicht, den Jugendlichen die Ausbildungsinhalte zu vermitteln. Dazu braucht es keine Überstunden oder ständige Erreichbarkeit.“ Mit Blick auf das Zukunftsbündnis MV am 04.03. erklärte Ingo Schlüter: „Neben den im Ausbildungsreport beschriebenen Qualitätsmängeln in der betrieblichen Ausbildung steht es auch im Lernort der beruflichen Schulen nicht zum Besten. Unterrichtsausfall, Erreichbarkeit der berufsbildenden Schulen, Azubi-Ticket oder Berufsschullehrer-Ausbildung sind Baustellen, die dringend bearbeitet werden müssen.“

Die wichtigsten Ergebnisse des Ausbildungsreports:

Ausbildungsfremde Tätigkeiten steigen:

Immer mehr Azubis müssen Jobs machen, die mit ihrer Ausbildung nichts zu tun haben. So muss jeder siebte Auszubildende auch Kaffee kochen, Autowaschen oder Botengänge erledigen. Solche Arbeiten werden als ausbildungsfremde Tätigkeiten bezeichnet. Darunter fallen auch Arbeiten, die nicht dem Niveau des Auszubildenden entsprechen. Wer zum Beispiel im ersten Jahr gelernt hat, die Kasse zu machen und im zweiten Ausbildungsjahr nur das tut, statt etwas Neues zu lernen, verrichtet ebenfalls eine ausbildungsfremde Tätigkeit.

Ausbildungsfremde Tätigkeiten

DGB Nord

Fehlende fachliche Anleitung:

Eigentlich sollte man meinen, dass zu einer Ausbildung auch zwingend ein Ausbilder gehört. Dennoch müssen knapp 14 Prozent der Azubis auf fachliche Anleitung verzichten. Ein deutlicher Anstieg gegenüber dem letzten Report von 2014 um 4,2 Prozentpunkte. Hinzu kommt, dass bei weiteren 8,3 Prozent ein Ausbilder bei der Ausbildung nur selten bis nie präsent ist.

Fehlende Fachliche Anleitung

DGB Nord

Überstunden ohne Freizeitausgleich:

Regelmäßige Überstunden gehören für viele der Auszubildenden aus Mecklenburg-Vorpommern nach wie vor zum Ausbildungsalltag. Ein Drittel der befragten Auszubildenden aus Mecklenburg-Vorpommern leistet nach eigenen Angaben regelmäßig Überstunden – ein Anteil, der in den letzten Jahren stetig angestiegen ist. Viele werden dafür nicht einmal extra bezahlt oder bekommen einen Freizeitausgleich. Dabei ist es rechtlich nur in Ausnahmefällen vorgesehen, dass Azubis Extrastunden schieben.

Überstunden ohne Freizeitausgleich

DGB Nord

Hohe Auflösungsquote

Jeder dritte Ausbildungsvertrag in Mecklenburg-Vorpommern wird vorzeitig gelöst. Damit liegt die Quote noch einmal über dem Bundesdurchschnitt. Bundesweit wird jeder vierte Ausbildungsvertrag nicht erfüllt. Das liegt aber nicht daran, dass die jungen Leute keine Lust auf Arbeit haben, sondern daran, dass es vielen Azubis während der Ausbildung alles andere als gut ergeht. Sie werden schlecht bezahlt und schlecht behandelt, müssen Überstunden und Schichtarbeit leisten. 

Ausbildungsreport 2019

DGB Nord

Friedrich Gottschewski, Jugendbildungsreferent Mecklenburg-Vorpommern DGB Nord:

„Eine Meisterleistung sieht anders aus. Das Ergebnis des Ausbildungsreports zeigt, viele Betriebe müssen sich noch deutlich ins Zeug legen, um ihre Ausbildungsfähigkeit zu verbessern. Schlechte Ausbildungsbedingungen wie im Deutschen Hotel und Gaststättenverband und die Verweigerungshaltung vieler Arbeitgeber beim Thema Übernahme passen nicht zum öffentlichen Wehklagen über den Fachkräftemangel.“

Forderungen der DGB Jugend:

  • Alle Auszubildenden sollen im Anschluss an ihre erfolgreich abgeschlossene Ausbildung einen unbefristeten Übernahmeanspruch erhalten.
  • Die DGB-Jugend Nord fordert eine dynamische Mindestausbildungsvergütung in Höhe von 80 Prozent der durchschnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütung über alle Branchen.
  • Die DGB-Jugend Nord fordert eine Ergänzung des § 17 BBiG dahingehend, dass keine Beschäftigung erfolgen darf, die über die vereinbarte, wöchentliche Ausbildungszeit hinausgeht. Schichtdienste und Wochenendarbeit dürfen nur zulässig sein, wenn die Ausbildungsinhalte unter der Woche nicht vermittelt werden können.
  • Eine „Soko Jugendarbeitsschutz“ muss von staatlicher Seite eingerichtet werden, um die Ausbildungsbedingungen minderjähriger Auszubildender – die besonderen Schutzvorschriften nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz unterliegen – wirksam zu kontrollieren, insbesondere Arbeitszeiten und den Ausgleich von Mehrarbeit.
  • Regelmäßige Kontrollen durch die Kammern. Gesetzesverstöße wirken sich negativ auf die Bewertung der Ausbildung aus. In gravierenden Fällen darf dabei auch vor Sanktionen (bis hin zum Entzug der Ausbildungsberechtigung) nicht zurückgeschreckt werden.

Zum DGB-Ausbildungsreport 2019 Mecklenburg-Vorpommern 


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