Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 24.09.2012

Studie zu regionalen Einkommensunterschieden in Schleswig-Holstein

Viele Vollzeitbeschäftigte sind von Altersarmut bedroht

Die Bruttolöhne in Schleswig-Holstein liegen deutlich unter dem deutschen Mittelwert. Während im Norden für Vollzeitbeschäftigte im Schnitt ein Lohn von 2.517 Euro brutto ermittelt wurde, beträgt er bundesweit 2.702 Euro brutto. In Ostholstein wird landesweit am schlechtesten verdient, in Kiel am besten. Besonders gering werden Frauen in Dithmarschen und Nordfriesland entlohnt.

Erstmals hat der DGB Nord damit differenzierte Daten zu den Verdienstunterschieden in den Kreisen und Städten Schleswig-Holsteins vorgelegt, die auf einer Sonderauswertung der Arbeitgebermeldungen zur Sozialversicherung beruhen. Einmalige Leistungen wie Überstundenzuschläge oder Weihnachtsgeld sind in den Lohnangaben berücksichtigt; Auszubildende, aber auch Teilzeitkräfte und Minijobber wurden nicht mitgezählt. Jede/r zweite Vollzeitbeschäftigte mit sozialversichertem Job verdiente dem zufolge 2010 in Schleswig-Holstein weniger als 2.517 Euro brutto im Monat.

Uwe Polkaehn, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Nord (DGB Nord): „Die Lage ist dramatisch. Nirgendwo in Westdeutschland wird so schlecht verdient wie im Norden. Die Gewinne der Unternehmen sprudeln, aber die Arbeitnehmer bekommen davon zu wenig ab. Das schwächt die Kaufkraft heute, aber es führt auch zu Armutsrenten und weiterer sozialer Spaltung. Für die Landesregierung ist unsere Lohnskala eine Aufforderung, die Arbeitnehmer ins Zentrum ihrer Politik zu stellen: Der Rentenbeitrag darf nicht sinken, es müssen der Mindestlohn, sozialversicherungspflichtige Arbeit und eine gerechte Besteuerung hoher Einkommen und Vermögen her - die Lohnspirale muss sich nach oben drehen.“

In der Einzelbetrachtung zeigen sich große Lohn-Unterschiede zwischen den Beschäftigtengruppen:

  • Männer erzielten meist ein deutlich höheres Bruttomonatsentgelt als Frauen. Im Mittel verdienten sie in Schleswig-Holstein 2.702 € brutto im Monat gegenüber nur 2.141 € bei den Frauen. Dieser große Verdienstunterschied von 561 € monatlich erklärt sich wesentlich durch die geschlechtsspezifischen Tätigkeitsschwerpunkte; so arbeiten Frauen häufig im Dienstleistungssektor mit einem relativ niedrigeren Entlohnungsniveau gegenüber dem produzierenden Gewerbe, wo Männer häufiger tätig sind. Aber auch die Lohndiskriminierung von Frauen hat nach gewerkschaftlicher Einschätzung einen Einfluss auf dieses Lohngefälle.
  • Vollzeitbeschäftigte ohne abgeschlossene Berufsausbildung verdienten in Schleswig-Holstein durchschnittlich nur 2.223 € brutto im Monat und damit deutlich weniger als in den alten Bundesländern insgesamt.
  • Das mittlere Bruttomonatsentgelt der Vollzeitbeschäftigten mit Fachhoch- oder Hochschulabschluss, 4.567 Euro, liegt im Norden gleichfalls deutlich niedriger als in den westdeutschen Ländern insgesamt. Beschäftigte mit Hochschulabschluss kommen im Schnitt auf einen fast doppelt so hohen Bruttoverdienst wie jene Vollzeitbeschäftigte ohne abgeschlossene Berufsausbildung.

Große Verdienstabstände zeigen sich folglich nicht nur bei Teilzeitarbeit, sondern auch bei Vollzeitbeschäftigung. Die Angst vieler Beschäftigter, dass sie mit ihrer Rente im Alter nicht auskommen, ist nicht unbegründet. Insbesondere Frauen sowie Arbeiter ohne abgeschlossene Berufsausbildung sind oftmals von Altersarmut bedroht. Altersarmut sei zwar noch kein größeres Massenproblem, doch in Zukunft droht ihre Zahl deutlich anzusteigen. Durch die geplante Senkung des Rentenniveaus auf 43 Prozent müssen Beschäftigte mit einem Einkommen von 2.500 € im Monat 35 Jahre in die Rentenkasse einzahlen, um mehr als Grundsicherung im Alter zu bekommen. Bei einem Monatseinkommen von 2.200 € droht bei Renteneintritt immer noch Sozialhilfebedürftigkeit, selbst wenn man 40 Jahre gearbeitet und Rentenbeiträge gezahlt hat.

 

2010 verdiente aber mehr als die Hälfte aller vollzeitbeschäftigten Frauen in Schleswig-Holstein weniger als 2.200 € brutto. Auch 50 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten ohne Berufsabschluss befinden sich an dieser Marke: Die Folgen der Absenkung des Rentenniveaus werden in der Zukunft also für viele Beschäftigte in der Region gravierend sein.

 

In der Anlage erhalten Sie eine regionalisierte Berechnung der Lohn-Daten für alle Landkreise sowie die Städte Kiel, Lübeck, Flensburg, Neumünster und Plön.

Median (mittleres) monatliches Bruttoarbeitsentgelt sozialversicherter Vollzeitbeschäftigter (ohne Auszubildende) in Schleswig-Holstein 2010 in Euro

 

 

 

Schleswig-Holstein

alte Bundesländer

neue Bundesländer

insgesamt

davon

Männer

Frauen

 

2.517

 

2.702

2.141

2.835

 

3.085

2.379

2.068

 

2.094

2.018

 

Alter 25 bis 50 Jahre

 

 

2.527

 

2.870

 

2.069

 

ohne Berufsausbildung

 

 

2.223

 

2.377

 

1.706

 

mit Berufsausbildung

 

 

2.666

 

2.902

 

2.053

 

mit Fachhoch-/Hochschulabschluss

 

 

 

4.567

 

4.933

 

3.803

Quelle: Eigene Berechnungen nach BA-Entgeltstatistik

 


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