Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 085 - 08.08.2013

Wanderarbeiter aufklären – Dolmetscher in die Betriebe und Berufsschulen

Wanderarbeiter und Auszubildende aus den süd- und osteuropäischen Ländern sollen obligatorisch in einer Unterrichtseinheit über die Arbeitnehmerrechte, das Tarifsystem, die Möglichkeiten der Betriebsräte, den Kündigungs- und Arbeitsschutz sowie das deutsche Modell der Mitbestimmung und Sozialpartnerschaft aufgeklärt werden. „Weil vielfach die Sprachkenntnisse nicht ausreichen, müssen Dolmetscher hinzugezogen werden, damit die neue Kolleginnen und Kollegen vom ersten Arbeitstag an wissen, welche Rechte sie haben und wie sie ihre Interessen durchsetzen können“, sagte Uwe Polkaehn, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Nord (DGB Nord).

Infolge der internationalen Finanzkrise und hohen Jungendarbeitslosigkeit kommen derzeit vermehrt Arbeitnehmer und Auszubildende aus Krisenländern nach Deutschland. Die Bundesregierung hat dazu ein Sonderprogramm aufgelegt, auch Unternehmensverbände wie der Hotel- und Gaststättenverband sind an dem Vorhaben beteiligt.

„Gerade in Hotels, Gaststätten und Pflegeeinrichtungen herrschen vielfach unzumutbare Arbeitsbedingungen mit Löhnen, von denen man kaum leben kann. Der Verdacht liegt nahe, dass hier Arbeitgeber versuchen, ihre Billiglohn-Strategie auf dem Rücken der neuen Beschäftigten fortzusetzen, die das deutsche Tarifrecht und soziale Schutzrechte noch nicht kennen. Deshalb müssen gute Beratungsangebote, grenzüberschreitende Sozialversicherungssysteme und die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns mit der Integration von Arbeitnehmern aus dem Ausland einhergehen“, so Polkaehn.

Der „Ausbildungsreport 2012“ des DGB für Schleswig-Holstein etwa hatte gravierende Qualitätsmängel in den Hotels, Gaststätten und Restaurants offenbart. Demnach werden im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen die Auszubildenden dort schlechter bezahlt, obwohl die Arbeitshetze im Hotel- und Gastgewerbe besonders groß ist. So erhalten 38 Prozent der Azubis gar keinen Ausgleich für geleistete Überstunden (Bundesschnitt für alle anderen Branchen: 16 Prozent). Zwei Drittel leisten regelmäßig Überstunden, in anderen Branchen ist es nur ein Drittel. 52 Prozent der minderjährigen Azubis leisten regelmäßig mehr als 40 Wochenstunden – das Jugendarbeitsschutzgesetz erlaubt aber nur maximal 40 Stunden pro Woche. Die Chance, sechs Jahre nach Berufsabschluss vollwertig in Hotels und Gastronomie beschäftigt zu sein, liegt nur bei etwa 45 Prozent. Rund 20 Prozent sind arbeitslos, 34 Prozent prekär beschäftigt.

„Was für die deutsche Wirtschaft und für junge Menschen eine Chance sein kann, bedeutet auf der anderen Seite für Länder wie Spanien, Italien, Portugal und Griechenland ein Problem auf dem Weg aus der Krise durch die Abwanderung qualifizierter Fachkräfte – die Europäische Union muss sich auch dieser Problemlage stellen und den Aufschwung in diesen Ländern durch eigene Programme befördern“, so der DGB-Vorsitzende.

Der DGB Bezirk Nord umfasst die Bundesländer Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Die Gewerkschaften zählen in den drei Ländern zusammen rund 430.000 Mitglieder. Der DGB ist der Bund der Gewerkschaften. Gemeinsam vertreten der Bund und die Mitgliedsgewerkschaften die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.


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Thomas Ritter 

 

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