Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 66 - 04.11.2019

Tourismusstrategie darf „Gute Arbeit“ nicht ignorieren

Beschäftigte müssen fair am Boom beteiligt werden

Beim Tourismustag Schleswig-Holstein hat Minister Buchholz über die Tourismusstrategie der Landesregierung gesprochen.

Dazu Uwe Polkaehn, Vorsitzender DGB Nord:

„Seit Jahren boomt der Tourismus bei uns in Schleswig-Holstein. Es wird Zeit, dass diejenigen, die den Boom erst ermöglichen, auch einen fairen Anteil daran erhalten. Eine Tourismusstrategie, die den Namen verdient, darf den Punkt "Gute Arbeit" nicht ignorieren. Die Mitarbeiter brauchen mehr Wertschätzung. Geld, Arbeitszeit und Ausbildungsbedingungen müssen stimmen. Gerade die Auszubildenden werden vielfach als billige Arbeitskräfte missbraucht. Der Landesregierung fehlt in Sachen „Qualität der Arbeit“ leider das Problembewusstsein.“

Der "Ausbildungsreport" der DGB Jugend hat gravierende Mängel in schleswig-holsteinischen Tourismusunternehmen dokumentiert: Gesetzliche Mindestvorschriften, insbesondere zu den Arbeitszeiten, werden ignoriert, für Überstunden gibt es häufig keinen Ausgleich, die Ausbildungsqualität ist mangelhaft. Wegen der niedrigen Vergütungen in der Branche suchen sich immer mehr Interessierte lieber einen anderen Job. Bei mehr als der Hälfte der Auszubildenden innerhalb des Hotel- und Gaststättengewerbes wird das Ausbildungsverhältnis vorzeitig gelöst!

 „Die Vertreter von DEHOGA werden beim Tourismustag wieder den Fachkräftemangel beklagen und Maßnahmen der Politik einfordern. Dabei sollte den Branchenvertretern doch klar sein, dass der Weg zu mehr Fachkräften nur über gute Arbeitsbedingungen führt. Es herrscht im Hotel- und Gaststättenbereich kein Azubimangel, weil es zu wenig ausbildungsinteressierte junge Menschen gibt. Der Mangel an Azubis ist hausgemacht und trägt seine alleinige Ursache in der Tatsache, dass es zu wenig ausbildungsreife Betriebe gibt, denen es gelingt, jungen Menschen einen auskömmlichen und qualitativ guten Weg in die Hotels und Gastronomien in Schleswig-Holstein zu ebnen“, so Polkaehn weiter.

Der Minister sieht sogar weiteres Wachstumspotential. Dabei sind die Arbeitsbedingungen schon jetzt mehr als unterirdisch. Zwei von drei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen arbeiten mehr als 45 Stunden in der Woche; vielfach werden Überstunden nicht entlohnt oder ausgeglichen.


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Thomas Ritter 

 

Sekretariat: Astrid Lau 

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