Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 001 - 05.01.2015

Rente mit 70 – für viele ein Alptraum!

Der Deutsche Gewerkschaftsbund Nord (DGB Nord) lehnt Pläne zur Rente mit 70 ab. Nötig seien vielmehr flexible Regelungen wie die Teilzeitrente ab 60 und verringerte Wochenarbeitszeiten für ältere Arbeitnehmer wie die Drei- oder Viertage-Woche. "Wir freuen uns über jeden, der auch nach 65 Jahren noch leistungsfähig ist. Rente mit 70 ist heute aber für viele ein Alptraum, denn sie schaffen es schon bis zum regulären Renteneintrittsalter kaum. Mit dieser Idee werden Arbeitnehmer unter Druck gesetzt, die in die Rentenkasse eingezahlt haben, um einen gesicherten Lebensabend zu verbringen“, sagte DGB-Nord-Chef Uwe Polkaehn.

„Wenn die Unternehmensverbände in Hamburg und Schleswig-Holstein in einer längeren Lebensarbeitzeit ein Mittel gegen den Fachkräftemangel sehen, blenden sie ihre eigenen Pflichten aus: Die Arbeitgeber müssen erstmal ausreichend ausbilden und für Arbeitsbedingungen sorgen, unter denen man gesund 65 werden kann. Immer mehr Beschäftigte arbeiten länger, weil sie müssen - und nicht, weil sie wollen. Die Löhne und die Renten reichen vielfach nicht zum Leben", sagte Polkaehn weiter. Er bot den Arbeitgeberverbänden Gespräche zur Humanisierung der Arbeitswelt und betrieblichen Gesundheitsförderung an.

„Gleitende Übergänge dürfen kein Minusgeschäft für die Beschäftigten werden. Wer freiwillige flexible Regelungen für den Ruhestand schaffen will, muss sich um die Gesundheit am Arbeitsplatz und solidarisch finanzierte Sozialsysteme kümmern. Die Mehrheit der Beschäftigten beklagt, seit Jahren immer mehr in der gleichen Zeit leisten zu müssen. Sie fühlen sich gehetzt und erschöpft. 49 Prozent der Beschäftigten gaben in einer DGB-Befragung an, sie seien innerhalb eines Jahres wiederholt auch dann zur Arbeit gegangen, wenn sie sich „richtig krank fühlten“. Das sind keine guten Voraussetzungen, um gesund bis zur Rente durchzuhalten. Die einzelnen Gewerkschaften haben deshalb Konzepte zum Übergang entwickelt, die den jeweiligen Branchen­bedingungen Rechnung tragen", so Polkaehn. Vom Gesetzgeber fordert der DGB u.a. den Rechtsanspruch auf sozialversicherungspflichtige Teilzeit im Alter und den Anspruch auf Teilrente ab 60 Jahren. Derzeit fördere nicht mal jeder fünfte Betrieb altersgerechtes Arbeiten.

Von den 60 bis 65-Jährigen ist nach DGB-Informationen nach wie vor nur ein Drittel sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Ihr Anteil nimmt ab, je näher das Renteneintrittsalter rückt. Die Arbeitslosenquote der Generation Ü55 ist in den vergangenen Jahren gestiegen. In Ostdeutschland liegt sie bei mehr als 10 Prozent. Der DGB fordert daher, auch die aktive Arbeitsförderung für ältere Arbeitslose zu verstärken.

Polkaehn: "Leider werden immer mehr Arbeitnehmer in Zukunft von ihren Rentenansprüchen nicht leben können, weil die Löhne gerade im Norden lange im Keller sind und die Arbeitgeber massenhaft tariflich gesicherte Beschäftigungsverhältnisse durch prekäre Arbeit ersetzen. Deshalb gehört das Thema Altersarmut auch auf die Tagesordnung der Regierungen und Landtage in Kiel, Schwerin und Hamburg.“ Die durchschnittlichen Renten von Frauen liegen nach DGB-Informationen derzeit bei rund 530 Euro, die der Männer bei etwa 1.060 Euro.

Der DGB Nord reagierte damit auf den Vorschlag einer freiwilligen Rente mit 70, den der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, am Wochenende geäußert hatte.

 


Der DGB Bezirk Nord umfasst die Bundesländer Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Die Gewerkschaften zählen in den drei Ländern zusammen rund 430.000 Mitglieder. Der DGB ist der Bund der Gewerkschaften. Gemeinsam vertreten der Bund und die Mitgliedsgewerkschaften die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

 


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