Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 12.12.2003

WSI widerspricht Arbeitgebern: Familienfreundliche Betriebe sind die Ausnahme

Familienfreundliche Betriebe sind nach wie vor die Ausnahme. Zu diesem Ergebnis kommt die diesjährige Betriebsrätebefragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung in Düsseldorf.

Nur 8,3 Prozent der Betriebe haben eine Betriebsvereinbarung zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Mit Vereinbarungen zur Chancengleichheit können sogar nur 4,4 Prozent der Betriebe aufwarten. "Das sind zusammen nur 10,7 Prozent. Arbeitgeberpräsident Hundt trägt wohl eine rosa Brille, wenn er behauptet, der bisher eingeschlagene Weg der Freiwilligkeit sei richtig", so die Wissenschaftliche Direktorin des WSI Prof. Dr. Heide Pfarr mit Blick auf den vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft vorgestellten "Monitor Familienfreundlichkeit". Pfarr: "Im Gegenteil, diese Daten zeigen, dass die überwiegende Mehrheit der Betriebe gleichstellungs- und familienpolitisch eher der Wüste Gobi als dem Garten Eden gleichen. Das Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft gehört daher wieder auf die Tagesordnung."

Für Frauen sei keineswegs nur die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bedeutsam, sondern ebenso Fragen von Entgelt, Weiterbildung und Aufstieg. Das Thema Chancengleichheit, so ein Ergebnis der Befragung, ist auf betrieblicher Ebene offenbar noch schwieriger voranzutreiben als die Familienfreundlichkeit. Neben den wenigen Betriebsvereinbarungen setzen Betriebe auch Programme zur Chancengleichheit (1,8% aller Betriebe), Gender-Mainstreaming-Programme (1,6%), Frauenförderpläne (2,8%) sowie einige andere Instrumente ein. Damit bleiben Vereinbarungen und Programme zur Chancengleichheit eine marginale Erscheinung. Auch eine betriebliche Bestandsaufnahme über den Stand der Gleichstellung der Geschlechter, wie im Betriebsverfassungsgesetz vorgesehen, hat bisher nur gut jeder 10. Betrieb erstellt.

Für die diesjährige repräsentative WSI-Betriebsrätebefragung wurden 2477 Fragebögen aus Betrieben (ab 20 Beschäftigte) mit Betriebsrat in ganz Deutschland ausgewertet.

Nach oben
Suchbegriff eingeben
Datum eingrenzen
seit bis

Kontakt: Pressestelle

DGB Bezirk Nord
Besenbinderhof 60
20097 Hamburg

Tel. 040-60 77 66 1 - 23
Tel. 040-60 77 66 1 - 18
Fax. 040-60 77 66 1 - 41

Thomas Ritter 

 

Sekretariat: Astrid Lau 

DGB Nord
Lohnspiegel
lohnspiegel.de