Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 033 - 18.03.2013

Studie belegt: Frauen brauchen die große Minijob-Reform

Ohne eine große Minijob-Reform werden die Sozialkassen in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern künftig immer mehr belastet, weil Geringverdiener unterstützt werden müssen. Nutznießer sind Arbeitgeber, deren Löhne weder zum Leben noch zur Alterssicherung reichen.

Der Durchschnitt der Verdienste aus Minijobs liegt im Osten bei 200 Euro, im Westen bei 260 Euro. Und aus Minijobs werden später Minirenten: Pro Jahr im Minijob entsteht nur ein Rentenanspruch von etwas mehr als 3 Euro monatlich – nach 45 Versicherungsjahren ist dies auf der Grundlage der heutigen Werte eine Monatsrente von knapp 150 Euro. Die Micker-Renten müssen dann aufgestockt werden, weil sie nicht zum Leben reichen.

Minijobs sind eine berufliche Sackgasse für Frauen und eine Gefahr für den Sozialstaat. Die Bundesländer des Nordens müssen nach der Wahl mit der neuen Bundesregierung eine große Minijob-Reform aushandeln. Gerade der Norden mit seinen extrem geringen Arbeitnehmereinkommen braucht mehr unbefristete und besser bezahlte Arbeit, die auch zu soliden Sozialversicherungsbeiträgen führt. Sonst sind gerade die Minijobberinnen  flächendeckend von Altersarmut bedroht. Der Staat müsste dann den Billiglohn der Arbeitgeber in zweites Mal subventionieren – durch Zuschüsse zu den Renten“, so Uwe Polkaehn, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Nord (DGB Nord). Er reagierte damit auch auf die heute bekannt gewordene Studie des Bundesfamilienministeriums. Demnach kommen die meisten Minijobber aus dieser Erwerbsform nicht mehr heraus. Frauen, die ihren Minijob nicht als zusätzliche Nebenbeschäftigung ausüben, sind im Durchschnitt bereits sechs Jahre und sieben Monate geringfügig beschäftigt, Verheirateten sogar sieben Jahre und einen Monat. Lediglich 14 Prozent der Frauen, die früher einen Minijob als Hauptbeschäftigung ausübten, hätten heute eine Vollzeitstelle.

Der DGB Nord weist darauf hin, dass rund zwei Drittel der Minijobber im Norden Frauen sind. 68 Prozent der Minijobber verdienen weniger als 8,50 Euro die Stunde - mehr als ein Drittel kommt nicht über einen Stundenlohn von 4,99 Euro hinaus. Rund 260.000 Minijobs gibt es in Schleswig-Holstein, 165.000 in Hamburg, 90.000 in Mecklenburg-Vorpommern.

Das Reformkonzept des DGB sieht u.a. vor, dass die Arbeitgeber vom ersten Euro an bis zu einem Monatseinkommen von 100 Euro den vollen Sozialversicherungsbeitrag übernehmen. Danach sollte in einer Gleitzone der Arbeitnehmeranteil ansteigen, bis bei einem Gehalt von 800 Euro die paritätische Beitragsfinanzierung erreicht ist. Flankierend ist u. a. der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro einzuführen.

Der DGB Bezirk Nord umfasst die Bundesländer Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Die Gewerkschaften zählen in den drei Ländern zusammen rund 420.000 Mitglieder. Der DGB ist der Bund der Gewerkschaften. Gemeinsam vertreten der Bund und die Mitgliedsgewerkschaften die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

 


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