Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 045 - 29.04.2015

Auch im Norden: Der Trend geht zum Zweitjob

Der Deutsche Gewerkschaftsbund Nord (DGB Nord) warnt vor einer Welle berufsbedingter Erkrankungen aufgrund von enormen Arbeitsbelastungen im Erst- und Zweitjob für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. 2014 hatten 5 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland neben ihrer Haupttätigkeit mindestens eine weitere Tätigkeit. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, standen rund zwei Millionen Personen in mindestens einem weiteren Arbeitsverhältnis. Diese Zahl hat sich seit 2011 um knapp 13 Prozent erhöht. 

Besorgniserregend ist aus Sicht des DGB Nord vor allem der hohe Anstieg der Minijobs als Nebenjob im Norden.

Frauen sind besonders betroffen. Ihre Zahl hat sich in den letzten zehn Jahren nahezu verdoppelt (siehe Tabelle).

     

Veränderung in %

 

2003

2013

10 Jahre

HH-Im Nebenjob geringfügig entlohnt beschäftigte Männer-Dezember

16795

29517

75,7 %

HH-Im Nebenjob geringfügig entlohnt beschäftigte Frauen-Dezember

21664

39953

84,4 %

MV-Im Nebenjob geringfügig entlohnt beschäftigte Männer-Dezember

5921

10328

74,4 %

MV-Im Nebenjob geringfügig entlohnt beschäftigte Frauen-Dezember

8652

15538

79,6 %

SH-Im Nebenjob geringfügig entlohnt beschäftigte Männer-Dezember

20310

37443

84,4 %

SH-Im Nebenjob geringfügig entlohnt beschäftigte Frauen-Dezember

27747

54335

95,8 %

Arbeitnehmer zwischen 35 und 55 Jahren müssen am häufigsten eine zweite Tätigkeit annehmen, um über die Runden zu kommen. Frauen sind darauf etwas häufiger angewiesen als Männer.

Im Nebenjob arbeiteten Erwerbstätige im Durchschnitt 8,5 Stunden pro Woche. Frauen, die in der Haupttätigkeit in Vollzeit arbeiteten, leisteten insgesamt in beiden Tätigkeiten durchschnittlich 46,9 Stunden - Männer 50,1 Stunden.

Uwe Polkaehn, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Nord (DGB Nord): „Freizeit und Regeneration kommen in dieser Arbeitswelt zu kurz. Zweitjobs, Nacht- und Wochenendarbeit, befristete Tätigkeiten, Lohndumping, Existenzangst und Arbeitshetze haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Gute Arbeit sieht ganz anders aus. Die Arbeitshetze wird für immer mehr Menschen zur Gefahr auch für die Gesundheit - im Gastgewerbe Schleswig-Holsteins kommen auf einhundert sozialversicherungspflichtig Beschäftigte 95 Minijobber! Man kann nicht über den Fachkräftemangel jammern und gleichzeitig Beschäftigten ein Einkommen zum Auskommen vorenthalten.52 Prozent der Beschäftigten müssen sehr häufig oder oft gehetzt arbeiten. 63 Prozent geben an, dass sie seit Jahren immer mehr in der gleichen Zeit leisten müssen. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen immer mehr. So werden Arbeitnehmer kaputt gemacht - die Renditen der Unternehmen werden auf ihrem Rücken erzielt. Wir brauchen eine bessere Qualität der Arbeit, mehr Tarifverträge, Mitbestimmung, Arbeitsschutz und eine neue Ordnung auf dem Arbeitsmarkt. Das Einkommen muss zum Leben reichen. Dafür stehen Gewerkschaften."

 


Der DGB Bezirk Nord umfasst die Bundesländer Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Die Gewerkschaften zählen in den drei Ländern zusammen rund 430.000 Mitglieder. Der DGB ist der Bund der Gewerkschaften. Gemeinsam vertreten der Bund und die Mitgliedsgewerkschaften die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

 


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Thomas Ritter

 

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