Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 23-2021 - 09.03.2021

Equal Pay Day 2021: Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern bei 18 Prozent

Noch immer ist das durchschnittliche Einkommen von Frauen deutlich geringer als das von Männern. Der Gender-Pay-Gap, also der Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern, lag im Jahr 2020 in Deutschland bei 18 Prozent. Für jeden Euro, den ein Mann verdient, erhält eine Frau lediglich 82 Cent.

Deutschland rangiert damit seit Jahren auf den letzten Plätzten in Europa. „Von Geschlechtergerechtigkeit sind wir bei der Bezahlung von Frauen noch weit entfernt.“, sagt Lisanne Straka, Abteilungsleiterin für Gleichstellung beim DGB Nord.

Nach aktuellen Zahlen des Statistikamts betrug der Bruttostunden­verdienst von Frauen in Mecklenburg-Vorpommern 2020 durchschnittlich 16,42 Euro. Männer verdienten da­gegen 17,41 Euro. „In Mecklenburg-Vorpommern liegt der Gender Pay Gap mit 6 Prozent zwar unter dem bundesdeutschen Durchschnitt, das ist aber kein Grund zum Jubeln“, so Lisanne Straka. „Im Niedriglohnland Mecklenburg-Vorpommern wird grundsätzlich weniger verdient als im Bundesdurchschnitt, deshalb ist die Lohnschere nicht so weit auseinander.“

Nach aktuellen Zahlen des Statistikamts Nord betrug der Bruttostunden­verdienst von Frauen in Schleswig-Holstein 2020 durchschnittlich 17,50 Euro. Männer verdienten da­gegen 20,15 Euro. „In Schleswig-Holstein liegt der Gender Pay Gap mit 13 Prozent zwar unter dem bundesdeutschen Durchschnitt, das ist aber kein Grund zum Jubeln“, so Lisanne Straka. „Im westdeutschen Lohnkellerland Schleswig-Holstein wird grundsätzlich weniger verdient als im Bundesdurchschnitt, deshalb ist die Lohnschere im Norden nicht so weit auseinander.“ Der DGB Nord führt die Schließung auch auf den ansteigenden Mindestlohn zurück. Gerade Frauen, die überwiegend im Niedriglohnbereich arbeiten, profitieren vom Mindestlohn und nähern sich etwas stärker den Gehältern der Männer an.

Zwar ist der Lohnabstand zwischen Frauen und Männern innerhalb eines Jahres um ein Prozent gesunken, berücksichtigt aber nicht die Effekte der Coronakrise, wie Kurzarbeit. Kurzarbeitergeld fließt nicht in die Berechnung der Entgeltlücke ein. Frauen erhalten nicht nur seltener als Männer einen Aufstockung des Kurzarbeitergeldes durch ihren Arbeitgeber, sondern werden durch die häufig gewählte Steuerklasse 5 doppelt benachteiligt. Wer Steuerklasse 5 hat, versteuert sein Einkommen vom ersten Euro an und es bleibt netto viel weniger übrig als mit Steuerklasse 3.

Um die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen zum Schmelzen zu bringen, müssen frauendominierte Berufe endlich besser bezahlt werden. „Durch die Corona-Pandemie ist erneut deutlich geworden, wie wichtig die Arbeit vor allem von Frauen im Gesundheitswesen, im Einzelhandel oder auch in den Notbetreuungen der Kindertagesstätten ist, damit unsere Gesellschaft funktioniert. Generell brauchen wir eine echte Aufwertung frauendominierter Berufe“, sagt Lisanne Straka. „Da wo Tarifverträge gelten, ist die Lücke um 10 Prozentpunkte kleiner. Sie sind das zentrale Instrument, um Einkommen und Arbeitsbedingungen zu verbessern und macht Löhne für alle transparenter.“

Der DGB Nord fordert, die Tarifbindung gerade in frauendominierten Branchen zu stärken. Hier ist auch der Gesetzgeber gefordert, Erleichterungen für die Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen einer Branche einzuführen. Auch muss das Entgelttransparenzgesetz so gestaltet werden, dass es nicht die Mehrheit der Frauen ausschließt. Mindestens auch für mittelständische Unternehmen sollen Frauen das Recht haben zu erfahren, wie ihr Gehalt im Vergleich zu ihren Kollegen aussieht. Ein Verpflichtung der Unternehmen, regelmäßig ihre Entgeltpraxis zu überprüfen, würde nach Überzeugung des DGB Nord zu mehr Lohngerechtigkeit führen.

Der Equal Pay Day findet in diesem Jahr am 10. März statt und  markiert symbolisch die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern: um das Einkommen zu erzielen, das Männer bis zum 31. Dezember des Vorjahres erhalten, müssen Frauen bis weit in das Jahr hineinarbeiten – derzeit 69 Tage. 

 

Das landesweite Aktionsbündnis Equal Pay Day MV - bestehend aus DGB Nord, Landesfrauenrat M-V e.V., , LAG der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten, Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen in Mecklenburg-Vorpommern, Frauenbildungsnetz M-V e.V. sowie dem Institut für Sozialforschung und berufliche Weiterbildung gGmbH - macht am Equal Pay Day auf die ungleiche Bezahlung der Geschlechter aufmerksam.

 

Am 10. März 2021 wird es von 17 bis 18 Uhr einen Livestream "Starke Frauen - Starkes MV" auf YouTube geben. Link: https://www.youtube.com/watch?v=se30FYZkz00

Vier Protagonistinnen aus dem Film-Spot „Starke Frauen – Starkes MV“ werden von ihren Erfahrungen in z.T. männerdominierten Berufen berichten. Sie haben ihre individuellen Erfolgsgeschichten und unterschiedliche Vorbilder. Wie sie ihren beruflichen und privaten Weg gefunden haben und ihn weitergehen.

 

Mit dabei:

Stephanie Lehmann – Schornsteinfegermeisterin und Feuerwehrfrau (LK Nordwestmecklenburg)

Gurinder Kour – Yogalehrerin und Informatikerin (Wismar)

Katja Gentzky – Nordex Energy GmbH (Rostock)

Deike Ludwig – Verein „Rostocker für Inklusion und gesellschaftlicher Teilhabe e.V.“ (Rostock)

 


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Thomas Ritter 

 

Sekretariat: Astrid Lau 

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