Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 072 - 17.06.2013

Wir sind dran! Frauenkonferenz des DGB Nord in Lübeck

„Wir sind dran! – SELBST I BESTIMMT I SICHER“ Unter diesem Motto hat an diesem Wochenende in Lübeck die Frauenkonferenz des Deutschen Gewerkschaftsbundes Nord (DGB Nord) stattgefunden. Die Gewerkschafterinnen diskutierten über die Existenzsicherung von Frauen, Wege zu echter Gleichstellung und Forderungen an die Wahlkämpfer der Parteien zur Bundestagswahl.

Elke Hannack, neue Vizechefin des DGB, sagte u. a. Arbeitszeitmodelle, die sich im Rahmen vollzeitnaher Teilzeit bewegen, müssten gefördert werden, bis sie für Männer ebenso attraktiv und selbstverständlich sind wie für Frauen: „Deshalb muss die Rückkehr aus einer Teilzeit- in eine Vollzeitbeschäftigung möglich sein, ohne Wenn und Aber.“ Zwei Drittel der beschäftigten Frauen in Deutschland verdienten nicht genug, um mit ihrem Einkommen langfristig die eigene Existenz sichern zu können.

Scharf attackierte sie die ausufernden Minijobs: „Zwei Drittel der Minijobber/innen sind Frauen. Minijobs, geringfügige Beschäftigung, Jobs im Niedriglohnbereich, phasenweise, längerfristige oder wiederholte Unterbrechungen der Erwerbsbiografie sind maßgebliche Einflussfaktoren für die Diskriminierung von Frauen am Arbeitsmarkt. Und sie wirken sich am Ende des Erwerbslebens häufig empfindlich auf die Alterssicherung aus. Minijobs münden regelmäßig in biografischen Sackgassen.“ Die Steuerklasse V mache reguläre Beschäftigung unattraktiv und treibe Frauen geradezu in Minijobs.

Nötig sei es, den gesetzlichen Mindestlohn nicht unter 8,50 Euro einzuführen, alle Arbeitsverhältnisse ab der ersten Arbeitstunde sozial abzusichern und die Betreuungsstruktur für Kinder und Pflegebedürftige qualitativ hochwertig auszubauen, damit sich Beruf und Familie unter einen Hut bringen lassen könnten: „Das Betreuungsgeld konterkariert das Ziel der eigenständigen Existenzsicherung und gehört deshalb auf den Müllhaufen der Geschichte, bevor es Schaden anrichten kann.“

Das Lohngefälle zwischen Mann und Frau wachse mit zunehmender Qualifikation, so Hannack. Ein Arbeitnehmer in leitender Funktion verdiene ein Viertel mehr als seine Kollegin in gleicher Funktion - das liege sogar über dem durchschnittlichen Lohngefälle von 22 Prozent in Deutschland: „Ein Steuerberater beispielsweise verdient monatlich 4.335 Euro. Die Steuerberaterin erhält nur 2.789 Euro und damit 1.546 Euro weniger als ihr Kollege. Oder anders gesagt: Der Steuerberater erhält im gleichen Beruf und bei gleicher Tätigkeit 1.546 Euro mehr als die Steuerberaterin, weil er ein Mann ist und sie eine Frau.“

Die Gewerkschaftsfrauen waren sich einig: Ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft ist überfällig, um Entgeltgleichheit in Betrieben und Unternehmen herzustellen und die repräsentative Vertretung von Frauen in Führungspositionen zu erreichen.

Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Nord, forderte einen Frauenpolitikwechsel nach der Bundestagswahl: „Mindestlohn statt Betreuungsgeld! Gute Arbeit und sichere Rente statt Minijobs und Sozialamt! Echte Chancen statt Seifenblasen aus dem Hause Schröder: Die schwarz-gelben Jahre waren keine guten Jahre für die Frauen - für sie gab es vor allem Billigjobs. Die Arbeitnehmerfamilien gehören endlich ins Zentrum der Politik, die Gleichstellung muss in der Realität ankommen. 86 Prozent der Bürger wollen den gesetzlichen Mindestlohn, selbst 79 Prozent der CDU-Wähler sind dafür. Wir dürfen es uns nicht länger bieten lassen, dass Frau Merkel und Herr Rösler der Zukunft von Frauen im Wege stehen. Gegen Altersarmut helfen nur sichere und gut bezahlte Jobs, Teilhabe und Bildungschancen für alle. Auch darum geht es am 22. September.“

Die Konferenz verabschiedete eine acht Punkte-Resolution mit den gleichstellungspolitischen Forderungen der Gewerkschaftsfrauen.

Lisanne Straka, DGB Bezirksfrauensekretärin Nord, sagte : „Die Gewerkschaftsfrauen erwarten von den Parteien zur Bundestagswahl eindeutige Vorschläge zur eigenständigen Existenzsicherung von Frauen und zur Durchsetzung gleicher Verwirklichungs- und Teilhabechancen von Frauen und Männern.“ 

Professorin Dr. Uta Meier-Gräwe, Wirtschaftslehre an der Justus-Liebig-Universität Gießen, Mitglied der Sachverständigenkommission zum ersten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung, referierte zum Thema „Nur einen Mann weit von der Armut entfernt - Eigenständige Existenzsicherung von Frauen“.

Als Gäste nahmen u.a. teil: Joanna Kruk, die frisch gewählte Vorsitzende der Frauensektion der Gewerkschaft Solidarnosc (Polen), Abgeordnete der Landesparlamente von Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg sowie Vertreterinnen von Frauenorganisationen.  Am Nachmittag schickten die Teilnehmerinnen vor dem Holstentor ihre Forderungen per Luftballon auf die Reise.

Der DGB Bezirk Nord umfasst die Bundesländer Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Die Gewerkschaften zählen in den drei Ländern zusammen rund 430.000 Mitglieder. Der DGB ist der Bund der Gewerkschaften. Gemeinsam vertreten der Bund und die Mitgliedsgewerkschaften die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

 


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Thomas Ritter 

 

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