Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 113 - 25.09.2013

Projekt MENTO - Wenn der Kollege weder schreiben noch lesen kann…

Diese Arbeitnehmer müssen ganz besonders kreativ, beharrlich und leidensfähig sein: Wer nicht oder kaum lesen, schreiben oder rechnen kann, hat es im Berufsleben schwer. Das DGB Bildungswerk BUND hat mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund Nord (DGB Nord) und Arbeit und Leben das Programm MENTO“ gestartet.  In dem Projekt MENTO werden Mentorinnen und Mentoren und  Lernberaterinnen und Lernberater ausgebildet, um den Grundbildungsbedarf in den Betrieben zu verringern.

Es gibt mehr als 7,5 Millionen Menschen zwischen 18 und 64 Jahren in Deutschland, die nicht gut genug lesen und schreiben können, um Formulare auszufüllen oder E-Mails, Warnhinweise oder Arbeitsanweisungen lesen zu können. „Funktionaler Analphabetismus“ betrifft mehr als vierzehn Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung in Deutschland.

Die Betroffenen arbeiten vor allem im Baugewerbe, in der Gebäudereinigung, im Dienstleistungs- und Logistiksektor, so Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Nord: „Das Problem wird verheimlicht, aber es ist riesengroß. Mehr als vier Millionen Kolleginnen und Kollegen sind bundesweit damit konfrontiert. Es sind gerade diese Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die durch den stetigen Wandel in der Arbeitswelt in besonderem Maße unter Druck geraten. Dieser Trend wird sich mit der wachsenden Komplexität und der Einführung immer neuer Qualitätssicherungsverfahren sowie der Verschriftlichung und Dokumentation von Arbeitsprozessen in Zukunft noch verstärken. Deshalb ist es höchste Zeit, zu handeln und den Betroffenen bestmögliche Unterstützung anzubieten. Dazu muss das Thema raus aus der Tabuecke und hinein in die betrieblichen Beratungsangebote. Bildung und Teilhabe sind Grundrechte, die jedem zur Verfügung stehen müssen.“

In einer Arbeitswelt, in der die Anforderungen und das Tempo stetig steigen, reicht die Schulbildung in vielen Fällen nicht mehr aus, um Schritt zu halten. Lebenslanges Lernen wird daher an vielen Stellen vorausgesetzt und durch betriebliche und außerbetriebliche Fort- und Weiterbildungsangebote eingefordert. Eine sichere Grundbildung, insbesondere Lesen, Schreiben und Rechnen sind dabei unerlässlich und Voraussetzung der persönlichen Weiterentwicklung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Der DGB Nord und „Arbeit und Leben“ wollen das Thema Grundbildung in die Betriebe hineintragen und eine „Kultur des Hinsehens“ und des wertschätzenden Handels fördern. Die Projektkoordinatorin des Projektes MENTO, Canan Yildirim: „Wir suchen in den Betrieben engagierte Menschen, die als Vertrauensperson im Betrieb Ansprechpartner für diese Kolleginnen und Kollegen sein möchten. Sie können als Mentorin/Mentor die Kolleginnen und Kollegen am Arbeitsplatz und auf ihrem Lernweg begleiten oder als Lernberaterin/Lernberater mit dem Blick auf interne und externe Angebote individuelle Lernwege mit und für die Beteiligten entwickeln. Die Mentorinnen/Mentoren und die Lernberaterinnen/Lernberater werden in mehreren Modulen ausgebildet und in ein Netzwerk eingebunden, indem sie jederzeit Austausch und Unterstützung bekommen können.“

Dieses Projekt wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert und auch in den Regionen NRW, Berlin/Brandenburg und Hessen/Thüringen umgesetzt.

Interessierte können sich wenden an: Canan Yildirim, Arbeit und Leben, Telefon:28401655

Email: mento@hamburg.arbeitundleben.de

Eine Auftaktveranstaltung zu MENTO findet statt am 25. September 2013, 14.00 Uhr.

Warum solch ein Projekt gerade jetzt?

Alphabetisierung war bis zu den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts bei deutschsprachigen Erwachsenen kein Thema. Es gab ausreichend Arbeitsplätze für ungelernte ArbeiterInnen und genügend Aushilfstätigkeiten, bei denen Lesen und Schreiben nicht oder nur in geringem Maße notwendig waren. Dies änderte sich durch die Einführung neuer Technologien und die Verlagerung von Arbeitsplätzen mit Routinetätigkeiten ins Ausland. Besonders die Menschen, die nur unzulänglich lesen und schreiben konnten, fielen zunehmend aus dem Arbeitsmarkt heraus: Sie konnten nicht oder nur schwer umgeschult werden; sie konnten nicht an Maschinen angelernt werden, die mit Schriftdisplays oder schriftlichen Arbeitsinstruktionen versehen waren; sie konnten nicht an Bildungsmaßnahmen teilnehmen, um sich (weiter) zu qualifizieren. Laut der leo.-level-One Studie aus dem Jahr 2011 sind mehr als 7,5 Mio. Erwachsene in Deutschland funktionale Analphabeten.

Was haben wir vor?

Im Rahmen des Projektes werden Mentor/innen und LernberaterInnen in Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen ausgebildet. Die MentorInnen sollen den Wert des Lernens für die berufliche und persönliche Entwicklung hervorheben, eine Kultur des Hinsehens entwickeln und die LernerInnen („ Mentees“) dabei unterstützen, Lernerfordernisse zu identifizieren sowie ihnen unterschiedliche Qualifizierungs- und Lernmöglichkeiten aufzeigen. Die Lernberater/innen sind die Ansprechpartner der Mentor/innen. Sie haben den Überblick über innerbetriebliche und regionale Lern- und Beratungsangebote. Die Lernberater/innen erarbeiten auf Wunsch der Mentees und in enger Zusammenarbeit mit den Mentoren Lern- und Entwicklungsoptionen für die Mentees. Neben der Netzwerkarbeit im regionalen Bildungsbereich hat zudem die Information und Sensibilisierung betrieblicher EntscheidungsträgerInnen und MultiplikatorInnen einen hohen Stellenwert innerhalb des Projektes.

Projektziele sind also:

• Ausbildung von Mentor/innen und Lernberater/innen innerhalb von Betrieben und Verwaltungen
• Aufbau und Betreuung regionaler Bildungsnetzwerke
• Entwicklung von Organisationskulturen, die Lernprozessen auch im Bereich der Grundbildung und Alphabetisierung Raum geben.

Daher suchen wir…

...engagierte Kolleginnen und Kollegen, die Lust haben, zur betrieblichen Lernmentorin/ zum betrieblichen Lernmentor ausgebildet zu werden. Mentor/innen sind die Ansprechpartner im Betrieb für Kolleginnen und Kollegen mit Grundbildungsbedarf. Sie sind Vertrauensperson, Ratgeber/-in und solidarische Unterstützer/-in und Wegbegleiter/-in.

Gemeinsam mit den Lernberater/innen des Projektes können sie den Kolleginnen und Kollegen Qualifizierungsmöglichkeiten aufzeigen und sie dazu ermutigen, ihre individuelle Entwicklung voranzutreiben.

Wir bieten…


...eine qualifizierte Ausbildung als Lernmentorin oder Lernmentor. In unseren Ausbildungsmodulen vermitteln wir das nötige Wissen und Können, um Kollegen mit Grundbildungsbedarf im Betrieb gezielt zu unterstützen. Unter anderem schulen wir darin, Grundbildungsdefizite wahrzunehmen, vermitteln Kenntnisse des Weiterbildungsmarktes für Erwachsene und führen Kommunikationstrainings zur zielgruppengerechten Ansprache durch. Nach Abschluss der viertägigen Grundqualifikation erhalten die Teilnehmer/innen ein Zertifikat und können von da an in ihrem Betrieb auf das Thema Grundbildung aufmerksam machen und betroffenen Kolleginnen und Kollegen zur Seite stehen. In weiteren Ausbildungsmodulen kann Wissen vertieft, Situationen geübt werden und es gibt Gelegenheit, sich mit anderen Lernmentorinnen und Lernmentoren auszutauschen.

Weitere Informationen im Internet unter: www.dgb-mento.de/

 


Der DGB Bezirk Nord umfasst die Bundesländer Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Die Gewerkschaften zählen in den drei Ländern zusammen rund 430.000 Mitglieder. Der DGB ist der Bund der Gewerkschaften. Gemeinsam vertreten der Bund und die Mitgliedsgewerkschaften die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.


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Thomas Ritter 

 

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