Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 32/2021 - 12.04.2021

Befristungswahn stoppen!

Mehr als ein Drittel der Neueinstellungen befristet

Die Zahl der Neueinstellungen ist in der Corona-Krise deutlich gesunken – und der Anteil der Befristungen ist dabei weiterhin viel zu hoch. Das zeigt eine neue Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. „Auch in der Pandemie werden Beschäftigte vielfach wie Wegwerfartikel behandelt“, so Ingo Schlüter, Vize-Vorsitzender DGB Nord. „Befristet Beschäftigte können ihr Leben nicht planen, nur damit Arbeitgeber minimale Flexibilität gewinnen. Das ist unverantwortlich und absolut kurzsichtig“, so Schlüter. 

In Mecklenburg-Vorpommern lag die Befristungsquote bei Neueinstellungen zuletzt bei knapp 36 Prozent, davon 39 Prozent ohne sachlichen Grund. Nur etwa die Hälfte der befristet Beschäftigten wird anschließend unbefristet übernommen. Insbesondere öffentliche Arbeitgeber fallen hier negativ auf: 46 Prozent der Einstellungen in der öffentlichen Verwaltung erfolgen befristet. Auch wenn hier im Vergleich zur letzten Wahl (67 Prozent) eine deutliche Verbesserung erzielt werden konnte, ist dieser Wert immer noch viel zu hoch. Hier muss das Land in der Gestaltung der Arbeitsbedingungen für seine eigenen Beschäftigten initiativ und innovativ vorangehen, indem es wie Hamburg und Schleswig-Holstein freiwillig auf sachgrundlose Befristungen im öffentlichen Dienst verzichtet und sich auf Bundesebene für die Abschaffung der sachgrundlosen Befristung von Arbeitsverträgen einsetzt.

In Schleswig-Holstein lag die Befristungsquote bei Neueinstellungen zuletzt bei knapp 35 Prozent. Besonders hoch war die Quote in Lübeck (47 Prozent), Flensburg  (44 Prozent) und in Kiel (43 Prozent). Deutlich weniger Befristungen gibt es in Rendsburg-Eckernförde mit 25,5 Prozent. „Die Politik muss vor allem das Problem der sachgrundlosen Befristungen angehen. Von den 80.000 befristeten Arbeitsverträgen in Schleswig-Holstein waren 2019 ca. 47.000 sachgrundlos“, so Schlüter.

„Die Leidtragenden der Befristungen sind die Beschäftigten und ihre Familien. Vor allem die Familienplanung wird deshalb immer wieder aufgeschoben. Die Chancen auf Aufstieg und ein gutes Einkommen sinken, während das Risiko für Armut und Arbeitslosigkeit steigt. Arbeitsplatzunsicherheit hat großen Einfluss auf das gesamte Leben: Wer befristet arbeitet, hat schlechtere Chancen auf einen Mietvertrag oder einen Kredit und engagiert sich im Unternehmen seltener im Betriebsrat. Befristungen machen erpressbar, schaffen Beschäftigte zweiter Klasse und höhlen den Kündigungsschutz aus“, so Schlüter weiter.


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