Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 02.11.2010

Wird Deutschland zum Armenhaus?

Bild
„Der Anstieg der offiziell von Armut bedrohten Menschen ist ein Trauerspiel und zeigt, dass wir von sozialer Gerechtigkeit weit entfernt sind“, so der Vorsitzende des DGB Nord, Uwe Polkaehn. Allein in Mecklenburg-Vorpommern lebt etwa jeder vierte Bürger (24,3 Prozent) von weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung, der Bundesdurchschnitt liegt bei 15,5 Prozent.

Armutsgefährdet war, so das Bundesamt, wer als Alleinstehende/r über ein Einkommen von weniger als 929 Euro verfügte, was bedeutet, dass alle Bezieher von Hartz IV-Regelsätzen und deren Kinder automatisch als arm eingestuft werden müssen. Im Mai mussten rund 1,8 Mio. Kinder von „Sozialgeld“ leben. „Dass unsere Regierung noch nicht einmal wahrnehmen will, dass es bei uns - in einem der reichsten Länder der Welt - offene Kinderarmut gibt, ist eine Schande für unser Land“, so Polkaehn.

Nach den am Wochenende vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Zahlen waren Arbeitslose im Erhebungszeitraum 2008 mit 62 Prozent am meisten „gefährdet“, arm zu werden. Aber auch jede/r 15te Erwerbstätige ist bedroht – von „Arbeitsarmut“, die nur durch finanzielle Zusatzleistungen des Staates für die sogenannten „Aufstocker“ aufgefangen werden kann. Das, so Polkaehn, sei das Ergebnis von marktradikaler Beschäftigungspolitik, die Mindestlöhne verhindert und die Ausweitung von Minijobs und Niedriglohn-Beschäftigung auch in großen Teilen von Leiharbeit fördert.

„Alarmierend ist, dass vor allem Frauen und Kinder die Leidtragenden der verfehlten Arbeitsmarktpolitik sind“, so Polkaehn. So waren Frauen laut Statistischem Bundesamt mit 16,3 Prozent bundesweit häufiger armutsgefährdet als Männer (14,7 Prozent). Bei den vorwiegend weiblichen Alleinerziehenden lag die Quote im Vorjahr in sogar bei 51,7 Prozent (Mecklenburg-Vorpommern) bzw. 37,7 Prozent in Schleswig-Holstein und 29,6 Prozent in Hamburg.

Polkaehn: „Die derzeitige Bundespolitik fördert die Zementierung dieser Verhältnisse. Was die Menschen hingegen brauchen ist die Förderung sozialversicherungspflichtiger Arbeit, von der sie auch leben können, eine Grundsicherung, die bei Langzeitarbeitslosigkeit tatsächlich die Existenz sichert und eine armutsfeste Rentenversicherung“.

Nach oben
Suchbegriff eingeben
Datum eingrenzen
seit bis

Kontakt: Pressestelle

DGB Bezirk Nord
Besenbinderhof 60
20097 Hamburg

Tel. 040-60 77 66 1 - 23
Tel. 040-60 77 66 1 - 18
Fax. 040-60 77 66 1 - 41

Thomas Ritter 

 

Sekretariat: Astrid Lau 

DGB Nord
Lohnspiegel
lohnspiegel.de