Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 37 - 24.06.2022

Neue Studie: Viele Beschäftigte im öffentlichen Dienst von Gewalt betroffen

Hohe Dunkelziffer

Beleidigungen, Bedrohungen und tätliche Angriffe sind für viele Beschäftigte im öffentlichen Dienst und im privatisierten Dienstleistungssektor bitterer Alltag – auch in Mecklenburg-Vorpommern. Eine neue Studie des Bundesinnenministeriums zeigt nun die bundesweite Dimension auf. Sie wurde am heutigen Tag in Berlin vorgestellt.

Die Studie, an der sich 10.674 Beschäftigte und 1.631 Behörden und Organisationen beteiligten, kommt zu dem Ergebnis, dass im Durchschnitt der Befragungszeiträume 23 Prozent der Beschäftigten innerhalb eines Jahres verbale oder physische Gewalt am Arbeitsplatz erlebt haben.

Bei Feuerwehr und Rettungskräften, im Veterinäramt, im Ordnungsamt und im Justizvollzug haben ein Drittel oder mehr Beschäftigte innerhalb eines Jahres Gewalt erlebt.

Beschäftigte, die technische Hilfe in Notlagen leisten, in der Gefahrenabwehr im Außendienst oder in der medizinischen Versorgung tätig sind, waren zu über 40 Prozent von Gewalt betroffen. Der Bereich der Polizei wurde im Rahmen der neuen Studie nicht untersucht. 

Für Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein existiert keine eigene Statistik zu gewaltsamen Übergriffen auf die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes.

In Schleswig-Holstein hat jedoch die neue Regierungskoalition in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt, gemeinsam mit dem DGB konkrete Maßnahmen entwickeln zu wollen, um Beschäftigte besser vor Gewalt zu schützen. „Als DGB werden wir uns aktiv in den Prozess einbringen und Vorschläge machen", so die Vorsitzende des DGB Nord, Laura  Pooth.

„Gewalt gehört für viele Beschäftigte des öffentlichen Dienstes zum Alltag“, so Pooth weiter. Die Landesregierungen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern müssen sich dem Thema der zunehmenden Gewalt gegen die Beschäftigten aktiv zuwenden.“

„Gewalterfahrungen bleiben nicht ohne Spuren. 60 Prozent der Beschäftigten geben an, dass das Erlebte Folgen für sie hat. Als Gewerkschaften können wir die zunehmende Gewalt gegen Beschäftigte nicht hinnehmen. Mit unserer bundesweiten Kampagne „Vergiss nie, hier arbeitet ein Mensch!“ wollen wir ein deutliches Zeichen setzen.“

 Besonders auffällig: Die Befragten der bundesweiten Studie meldeten durchschnittlich nur rund 30 Prozent der erlebten gewalttätigen Übergriffe. Die Dunkelziffer lag also bei 70 Prozent der Fälle, variiert aber stark zwischen den verschiedenen Beschäftigtenbereichen und Straftatbeständen.

Während Beschäftigte von Feuerwehr und Rettungskräften 80 Prozent der erlebten gewalttätigen Übergriffe nicht melden, sind es in den meisten Beschäftigungsbereichen zwischen 66 und 75 Prozent. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Beschäftigten offenbar bei Meldungen von Vorfällen eine Aufwand-Nutzen-Abwägung vornehmen.

Laura Pooth: „Für uns bedeutet das, dass die Hürden für die Meldung von Vorfällen weiter gesenkt und der Nutzen für die Beschäftigten weiter erhöht werden muss. Die Landesregierung und die Kommunen müssten sich des Themas aktiv annehmen und konkrete Maßnahmen ergreifen. Die Beschäftigten dürfen nicht den Eindruck haben, mit ihren Problemen allein zu sein.“

Der DGB fordert unter anderem:

- Einen öffentlichen Bewusstseinswandel

- Die Einführung eines landesweiten Meldewesens mit einheitlichen Kriterien und statistischen Erhebungen zu Gewaltvorfällen

- Die verbindliche Verankerung der Gewaltprävention und des Umgangs mit Gewalt in allen Fortbildungsangeboten

- Eine stärkere Sensibilisierung von Führungskräften

- Die Einrichtung von Sonderdezernaten bei den Staatsanwaltschaften zur Strafverfolgung von Übergriffen

Der DGB wird in den nächsten Wochen im Rahmen der bundesweiten Kampagne „Vergiss nie, hier arbeitet ein Mensch“ verstärkt auf das Problem der zunehmenden Gewalt gegen Beschäftigte hinweisen. Hier geht es zur Kampagnenseite.

Die Zusammenfassung der Studie des Bundesinnenministeriums findet sich unter diesem Link.


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