Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 5 - 22.01.2020

Zahl der Minijobber im Norden erneut gestiegen

 

Die Beschäftigung steigt, die Arbeitslosigkeit sinkt. Regelmäßig zeigt sich beim Blick auf die Arbeitsmarktzahlen ein erfreuliches Bild. „Es ist nicht alles Gold was glänzt“, sagt Uwe Polkaehn, Vorsitzender DGB Nord. Der Arbeitsmarkt habe seine Schattenseiten, vor denen die Politik nicht die Augen verschließen dürfe. Denn vor allem steige die prekäre Beschäftigung: befristete Beschäftigung, Leiharbeit, unfreiwillige Teilzeit, Minijobs, Niedriglohnbeschäftigung. Viele Beschäftigte, gerade im Niedriglohnbereich, müssen neben ihrem Hauptjob noch in einem Nebenjob arbeiten, um über die Runden zu kommen.

 

Nach neuesten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit ist die Zahl der Mehrfach-Beschäftigten in Schleswig-Holstein von Mitte 2018 bis Mitte 2019 von 112.638 auf 116.720 gestiegen, in Mecklenburg-Vorpommern von 30.906 auf 32.392.

„Immer mehr Beschäftigte im Norden sind arm trotz Arbeit, das darf nicht sein. Minijobs sind oft das zweite Standbein von Beschäftigten im Niedriglohnsektor. Sie wirken eher als Sackgasse denn als Brücke in sozialversicherte Beschäftigung. Wer erst einmal in der Niedriglohnfalle sitzt, kommt nur schwer heraus. Minijobs sind besonders anfällig für Umgehungsstrategien und kriminelle Machenschaften mancher Arbeitgeber. Jedem dritten Minijobbenden wird bezahlter Urlaub vorenthalten und auch Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ist oftmals ein Fremdwort“, so Polkaehn.

Dem DGB-Chef zufolge kenne die Fantasie der Arbeitgeber fast keine Grenzen: „Viele Minijobber arbeiten nur vier Stunden in der Woche, müssen aber rund um die Uhr einsatzbereit sein. In der Systemgastronomie ist das Alltag. Auf dem Bau wird mit schwarz bezahlten Überstunden getrickst, in der Gebäudereinigung mit unerreichbaren Zeitvorgaben. Dieser Sumpf muss endlich trocken gelegt werden. Wir brauchen mehr Kontrollen, damit die Beschäftigten zu ihrem Recht kommen.“

Um prekäre Beschäftigung weiter einzudämmen, fordert der DGB die Tarifbindung zu stärken. „Wir brauchen mehr Druck auf die Privatwirtschaft und klare Kriterien in der Wirtschaftsförderung, zum Beispiel durch ein Tariftreuegesetz. Aufträge dürfen nur noch an tarifgebundene Unternehmen vergeben werden. Auch eine vorgeschriebene Maximal-Quote für Minijobber ist denkbar.“ Mit Tarifvertrag verdienen die Beschäftigten im Schnitt ca. 600 - 800 EUR mehr pro Monat.


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Thomas Ritter 

 

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