Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 25.03.2010

Armut steigt trotz Erwerbstätigkeit

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Die amtliche Statistik bringt es wieder ans Tageslicht: Durch die Ausweitung des Niedriglohnsektors in Deutschland, durch immer mehr prekäre Beschäftigungsverhältnisse steigt die Armut trotz Erwerbstätigkeit. Die amtliche Statistik deckt auch den eklatanten Widerspruch zwischen der Scheinwelt der politischen Diskussion und der Realität des Erwerbslebens auf: Immer mehr Hartz IV-Bezieher arbeiten und haben trotzdem keine Chance, aus dem staatlichen Fürsorgesystem heraus zu kommen.

Im Sommer des letzten Jahres gab es Schleswig-Holstein 167.464 erwerbsfähige Hilfebedürftige, von denen 48.314 erwerbstätig waren. Von diesen Erwerbstätigen waren 11.221 in Vollzeit und 8.460 in Teilzeit sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

Die Zahlen für Hamburg: 143.601 erwerbsfähige Hilfebedürftige, 33.707 erwerbstätig, davon 8.446 in Voll- und 7.963 in Teilzeit

Die Daten für Mecklenburg-Vorpommern: 178.677 erwerbsfähige Hilfebedürftige, davon 54.849 erwerbstätig, 18.066 in Voll- und 7.821 in Teilzeit.

Überdurchschnittlich hoch ist die Zahl derjenigen Arbeitnehmer/innen, die ergänzend auf staatliche Fürsorge angewiesen waren. In Schleswig-Holstein mussten 23.831 (darunter 13.361 Frauen) von 890.362 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ergänzende Hartz IV-Leistungen beziehen. Das sind 2,7 % aller Beschäftigten.

In Hamburg: 20.488 von 586.672 Beschäftigten, darunter 10.966 Frauen, Quote: 3,5 %

In Mecklenburg-Vorpommern: 30.061 von 572.350 Beschäftigten, darunter 16.528 Frauen, Quote: 5,3 %

Die tatsächliche Zahl der Aufstocker wird von Wissenschaftlern doppelt so hoch eingeschätzt, da viele Anspruchsberechtigte aus Scham über ihre Armut oder aus Nicht-Wissen der möglichen Hilfeleistungen keine Anträge auf Unterstützung stellen.

"Wir haben es hier mit Niedriglöhnen zu tun, die durch den Sozialstaat aufgestockt werden müssen, weil sonst ihr Existenzminimum nicht gesichert ist. Sie zahlen von ihrem niedrigen Einkommen Sozialversicherungsbeiträge, können aber selbst von ihrer Arbeit nicht leben; trotz Vollzeitbeschäftigung. So darf das nicht weitergehen", erklärt der DGB Nord Bezirksvorsitzende Uwe Polkaehn. "Wir brauchen einen Mindestlohn, damit staatlich subventioniertes Lohndumping beendet wird."

Die amtliche Statistik zeigt auf, dass das Verarmungsrisiko in Mecklenburg-Vorpommern doppelt so hoch ist wie in Schleswig-Holstein. "Damit rächt es sich noch die nächsten Jahre, dass die Politik in Mecklenburg-Vorpommern lange Zeit auf Niedriglöhne setzte, weil sie glaubte, so Investoren anzulocken. Das war und ist ein Irrweg und muss dringend korrigiert werden", so der DGB Nord.

Ausschließlich geringfügig Beschäftigte

in Schleswig-Holstein 159.780, darunter 23.691 ALG II-Bezieher/innen, davon 15.965 Frauen

in Hamburg 79.933, darunter 13.881 ALG II-Bezieher/innen, davon 9.568 Frauen

in Mecklenburg-Vorpommern 65.399, darunter 21.929 ALG II-Bezieher/innen, davon 14.437 Frauen

Schleswig-Holstein:

Höchster Anteil ALG II-Bezieher an allen Beschäftigten mit 4,4 % in Lübeck und Neumünster

Niedrigster Anteil ALG II-Bezieher an allen Beschäftigten mit 1,7 % im Kreis Stormarn

Mecklenburg-Vorpommern:

Höchster Anteil ALG II-Bezieher an allen Beschäftigten in Stralsund mit 7 % und in Neubrandenburg und Uecker-Randow mit jeweils 6,7 %

Niedrigster Anteil ALG II-Bezieher an allen Beschäftigten in Ludwigslust mit 3,2 %

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