Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 68 - 16.07.2015

Merkels Absage an das Flüchtlingskind Reem: Das falsche Signal an die Fachkräfte von morgen

„Die Bundeskanzlerin hat eine Chance vertan, junge Menschen aus dem Ausland für das Arbeiten und Leben in Deutschland zu begeistern. Mit ihrer Absage an das Flüchtlingskind Reem, das im NDR den Wunsch geäußert hatte, in Deutschland zu studieren, ist das falsche Signal erfolgt. Deutschland braucht so motivierte und wissensdurstige Menschen wie Reem. Angela Merkel sollte ihren Rostocker Auftritt selbstkritisch reflektieren und ihn überdenken“, sagt Uwe Polkaehn, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Nord (DGB Nord). Auf dem Bürgerdialog der Bundesregierung in Rostock hatte die 13-Jährige aus dem Libanon geflohene Palästinenserin Reem der Bundeskanzlerin und vorpommerischen Wahlkreisabgeordneten ihre Flüchtlingsgeschichte erzählt. Seit vier Jahren lebt Reem demnach bereits mit ihrer Familie in Rostock, möglicherweise droht ihr die Abschiebung. "Ich habe ja auch Ziele so wie jeder andere", sagte Reem der Kanzlerin bei dem Bürgerdialog mit rund 30 Schülern der Paul-Friedrich-Scheel-Schule, bevor sie in Tränen ausbrach: "Ich möchte studieren, das ist wirklich mein Wunsch. Aber es ist wirklich unangenehm zuzusehen, wie andere das Leben genießen können - und man es selber nicht mitgenießen kann."

Das ganze NDR-Video finden Sie hier:

http://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Fluechtlingskind-bringt-Merkel-aus-dem-Konzept,buergerdialog104.html

Polkaehn: „Asylsuchenden muss das Arbeiten sehr viel schneller erlaubt werden. Wenn jemand in Ausbildung ist, muss die Ausbildung abgeschlossen werden dürfen. Flüchtlinge sind bisher häufig zum Nichtstun verurteilt, ihre Verfahren dauern viel zu lange. Viel besser wäre es auch, die schulische und universitäre Bildung der Kinder und Jugendlichen zu erfassen und zu fördern, um so Qualifikationen zu entwickeln, die der Arbeitsmarkt und die Gesellschaft dringend benötigen. Die Gesamtzahl der nach Deutschland kommenden Menschen liegt noch weit hinter den der 90er-Jahre. Der DGB ist für ein modernes Einwanderungsgesetz, das sowohl menschenrechtliche Verpflichtungen einhält als auch Regeln für eine arbeitsmarktorientierte Einwanderung schafft. Zur Teilhabe gehört ein Bleiberecht genauso wie der Zugang zu Integrationskursen, zum Arbeitsmarkt und zum Daueraufenthalt. Deutschland hat dazu alle Möglichkeiten - bei der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt können auch die Unternehmen einen substanziellen Teil der Kosten übernehmen, denn sie profitieren von der Integration besonders. Gerade junge geduldete Flüchtlinge mit hoher Bleibeperspektive brauchen für die Zeit der beruflichen Ausbildung und die anschließende Arbeitssuche einen eigenständigen, von den Eltern unabhängigen sicheren Aufenthalt. In dieser Frage besteht auch Einigkeit mit Kirchen und Arbeitgebern. Frau Merkel sollte sich noch einmal mit Reem verabreden."


Der DGB Bezirk Nord umfasst die Bundesländer Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Die Gewerkschaften zählen in den drei Ländern zusammen rund 430.000 Mitglieder. Der DGB ist der Bund der Gewerkschaften. Gemeinsam vertreten der Bund und die Mitgliedsgewerkschaften die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.


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