Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 76 - 22.11.2019

Gewerkschaften im Norden setzen Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen

Mit zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen werden in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern in der kommenden Woche deutliche Zeichen gegen Gewalt an Mädchen und Frauen gesetzt. Die Gewerkschaften thematisieren dabei besonders Übergriffe und sexuelle Belästigungen im Betrieb.

Mit der Verabschiedung der Konvention 190 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) im Juli 2019 wurde nun endlich ein internationales Übereinkommen mit verbindlichen weltweiten Mindeststandards gesetzt. Es ist erstmals eine Einigung auf eine weltweit gültige Definition von Gewalt und sexueller Belästigung erzielt worden.

„Das ist ein Meilenstein in der Geschichte der ILO und ein weltweit verbindliches Null-Toleranz-Signal gegen Gewalt und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Damit das Ilo-Übereinkommen bald umgesetzt wird, muss die Bundesregierung jetzt dieses Instrument zeitnah ratifizieren!“, fordert Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Nord.

Laut einer Studie, die im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes kürzlich erschienen ist, waren insgesamt neun Prozent der Befragten, war etwa jede elfte erwerbstätige Person  in Deutschland im Zeitraum der letz­ten drei Jahre von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz betroffen. Frauen haben mit einem Anteil von rund 13 Prozent signifikant häufiger als Männer mit einem Anteil von fünf Prozent sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erlebt. 

„Gewalt gegen Frauen ist immer noch ein riesengroßes Problem. Doch darüber zu reden ist vielfach ein Tabu. Mit unserer Aktion wollen wir Beschäftigte, Auszubildende, Frauen und Mädchen ermutigen, sich gemeinsam zu wehren.“, so Polkaehn.

Der DGB weist darauf hin, dass die Unternehmen gesetzlich verpflichtet sind, gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz vorzugehen (§ 12ff. AGG). Sie müssen vorbeugende Maßnahmen treffen, ihre Beschäftigten schulen, im Fall einer sexuellen Belästigung die geeigneten, erforderlichen und angemessenen Maßnahmen gegenüber belästigenden Beschäftigten ergreifen. Dazu gehören Abmahnung, Umsetzung, Versetzung oder Kündigung. Betriebe müssen auch wirksame Maßnahmen gegenüber belästigenden Dritten ergreifen, Beschwerdestellen einrichten sowie die Belegschaft über diese und das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) informieren. Vor allem Führungskräfte brauchen in diesem Punkt Fortbildung. Es fehlt in vielen Betrieben an Ansprechpartnern, Beratungsangeboten, Notrufnummern und Aushängen am Schwarzen Brett.

In der nächsten Woche werden auf und vor vielen Gewerkschaftshäusern in Deutschland Fahnen mit der Aufschrift „Nein zu Gewalt an Frauen“ wehen. Die Aktion soll ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen setzen und für diese Thematik sensibilisieren.

Hintergrund
Was ist die ILO?

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen (UNO). Sie ist "tripartistisch" organisiert, das heißt: Drei Gruppen bestimmen in den Versammlungen der ILO gleichberechtigt mit:

  • Vertreterinnen und Vertreter der Regierungen der UNO-Mitgliedsländer (wie bei anderen UNO-Organisationen auch)
  • Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitnehmer (Gewerkschaften)
  • Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitgeber

Nach oben
Suchbegriff eingeben
Datum eingrenzen
seit bis

Kontakt: Pressestelle

DGB Bezirk Nord
Besenbinderhof 60
20097 Hamburg

Tel. 040-60 77 66 1 - 23
Tel. 040-60 77 66 1 - 18
Fax. 040-60 77 66 1 - 41

Thomas Ritter 

 

Sekretariat: Astrid Lau 

DGB Nord
Lohnspiegel
lohnspiegel.de