Deutscher Gewerkschaftsbund

Rückblick: Transformationskonferenz für Schleswig-Holstein

Gemeinsam packen wir den Wandel!

Viel Wandel, viele Chancen! Wie gestalten, wie nutzen? Darum ging es bei unserer Konferenz in Kiel mit rund 150 Teilnehmer*innen aus Betrieben, Gewerkschaften, Politik und Wissenschaft. Die Themen reichten vom Konzept der wirtschaftlichen Staatsbürgerrechte über Tarifbindung bis hin zu KI oder Gesundheitsschutz und Weiterbildung. Von Ministerpräsident Daniel Günther gab es zwei konkrete Zusagen.

  

Bettina Kohlrausch

Bettina Kohlrausch, Hans-Böckler-Stiftung DGB Nord

Prof. Dr. Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des WSI der Hans Böckler Stiftung, stellte gleich zu Beginn der Konferenz fest: Das Ziel der Transformation muss es sein, eine bessere, eine gerechtere Gesellschaft zu schaffen und die Demokratie zu erhalten. Dahin kommen wir ihrer Meinung nach mit der Stärkung der wirtschaftlichen Staatsbürgerrechte, also der Rechte, die an die abhängige Beschäftigung gekoppelt sind.

Gemeint sind damit vor allem die betriebliche Mitbestimmung und Tarifpolitik, die die wesentliche Grundlage für eine erfolgreiche Transformation seien. Denn der Spruch, „any job is better than no job“ – jede Arbeit ist besser als keine Arbeit – stimme eben nicht. Gute Arbeit und Mitbestimmung seien die Grundlage, damit die Menschen auch eine positive Einstellung zum Wandel und zur Demokratie hätten. Diese Aussage wurde gestützt durch die Ergebnisse einer Befragung.

 

Gesprächsrunden

DGB Nord

Nutzt das Wissen der Expert*innen in den Betrieben!

Danach waren die Gewerkschaften dran: In zwei Gesprächsrunden machten ihre Vertreter*innen deutlich, wie sich in ihren Branchen der Wandel der Arbeit zeige und was für Erwartungen sie an Arbeitgeber*innen und Politik haben.

Einig waren sich alle, dass Beschäftigte und Gewerkschaften viel stärker eingebunden werden müssen. Sowohl auf der betrieblichen Ebene („mancher Betriebsrat ist länger im Unternehmen, als die Geschäftsführung und weiß besser Bescheid“), als auch auf der politischen. Denn die Herausforderungen seien groß. Nur ein paar Stichworte: Digitalisierung, Fachkräftemangel, nötige Investitionen in die Infrastruktur.

Kein Tarifvertrag? Stopp! Falsche Richtung!

Dazu käme das Problem, dass manch Arbeitgeber genau in die Gegenrichtung von Guter Arbeit liefe. Heiko Messerschmidt nannte als Beispiel die Kolleg*innen beim Windanlagenhersteller Vestas, die 123 Tage streiken mussten, bevor das Unternehmen sich auf einen Tarifvertrag mit der Gewerkschaft eingelassen hat.

Als große Themen wurden die Forderung nach einem Brückenstrompreis (auch für Privatkunden, wie ver.di bekräftigte), die Modernisierung der Betriebsverfassung sowie die Einführung eines Tariftreue- und Vergabegesetzes in Schleswig-Holstein gesetzt.

Günter, Pooth, Boxberger im Gespräch

DGB Nord

Tempo machen, Bremse treten

Viele der Themen tauchten dann auch in der Diskussionsrunde mit Ministerpräsident Daniel Günther, Matthias Boxberger vom UV Nord und Laura Pooth, unserer DGB-Vorsitzenden in Nord, auf.

Er wünsche sich mehr Tarifbindung, versicherte Günther gleich zu Beginn, um danach aber mit dem UV Nord auf die Bremse zu treten: Wichtig sei es Bürokratie zurückzufahren und ein positives Bild vom Unternehmertum zu zeichnen. Das hörte sich zwischen den Zeilen wie eine Ablehnung eines Tariftreue- und Vergabegesetzes an.

Tempo wolle er aber bei der Umsetzung der Transformation machen. Da gäbe es schließlich auch einen Wettbewerb um Standorte und Fachkräfte. Umso wichtiger sei es, den Weg gemeinsam zu gehen. Schleswig-Holstein wolle schließlich bis 2040 klimaneutral werden.

Beim Thema Tarifbindung lassen wir nicht locker

Laura Pooth ließ aber nicht locker und rang dem Ministerpräsidenten die Zusage ab, demnächst ein Gespräch mit den Sozialpartnern zu organisieren, in dem es um konkrete Maßnahmen zur Steigerung der Tarifbindung gehen soll – so wie es auch im Koalitionsvertrag von CDU und Grünen vereinbart ist.

Zudem brachte Laura Pooth die Einrichtung einer Transformationsagentur ins Spiel, die Betriebe und Beschäftigte bei der Bewältigung der vielfältigen Herausforderungen im Wandel unterstützen soll. Eine Idee, die von den Gewerkschaften unterstützt wird. Ähnliche Einrichtungen gibt es bereits in NRW und Mecklenburg-Vorpommern.
  

Workshops: Mitbestimmung und Unterstützung gefragt

Workshop

DGB Nord

Anschließend ging es in fünf Workshops um unterschiedliche Themen der Transformation.

Wie kann die Energiewende im Betrieb gelingen, wurde da z.B. diskutiert. Eine Antwort: Indem sie gemeinsam mit den Beschäftigten angegangen wird. Die Mitarbeitendenvertretungen seien oft die wahren Expert*innen und dürften von den Arbeitgebern nicht ignoriert werden. Eine Transformationsagentur könne wertvolle Hilfestellung leisten.

Ein ähnliches Fazit gab es beim Thema Weiterbildung: Gemeinsam müssten für jeden Beschäftigten Zukunftsperspektiven entwickelt werden. Das ginge am besten mit Mitbestimmung und sozialpartnerschaftlich. Unterstützungsangebote, wie Weiterbildungs-Mentor*innen würden helfen. Beim Gesundheitsschutz müssten bestehende Instrumente stärker genutzt und verbreitet werden. Auch hier sei es wichtig, dass Hilfsangebote bekannt gemacht und genutzt werden.

Transformationsagentur wäre wichtige Beratungsstelle

Workshop

DGB Nord

Die Leitfrage beim Workshop zur Künstlichen Intelligenz lautete: Steuert die KI die Mitarbeitenden oder steuern die Beschäftigten die KI? Wie es am besten mit dem zweiten Weg funktionieren kann, wurde anhand einiger Beispiele deutlich. Auch hier wurde viel Beratungsbedarf festgestellt, zum Beispiel durch eine Transformationsagentur.

Das Fazit im Workshop zum Thema Ausbildung: Wenn die Transformation gelingen soll, müssen die Betriebe mehr in die Ausbildung investieren! Ein wichtiger Baustein sei auch eine größere Anerkennung der Ausbilder*innen. Das würde auch der Qualität der Ausbildung helfen. Kleinere Betriebe müssten stärker unterstützt werden, um Plätze anbieten zu können und eine Umlagefinanzierung würde helfen, ein größeres Angebot an Plätzen zu schaffen.

Viel passieren muss für eine andere Mobilität in Schleswig-Holstein, so wurde in einem weiteren Workshop deutlich. Neue, umweltgerechte Verkehrsmittel braucht es genauso wie einen Ausbau des ÖPNV und von On Demand Angeboten. Grundlage dessen seien weitreichende Investitionen, bessere Arbeitsbedingungen im Verkehrssektor sowie Beteiligungsverfahren. Ein Angebot wie das 49-Euro-Ticket müsse bestehen bleiben.

Zusammen immer stärker!

So ging ein intensiver Tag zu Ende. Wir hoffen, dass alle Teilnehmenden etwas mitnehmen konnten. Denn das wichtigste Fazit des Tages bleibt: Nur gemeinsam, mit den Beschäftigten und Gewerkschaften, können wir die Herausforderungen der Transformation meistern!

Der Wandel der Arbeit bleibt Schwerpunkt-Thema im DGB Nord: Alle Infos unter nord.dgb.de/stark-im-wandel

 


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Bilder

Vortrag Bettina Kohlrausch (WSI)

Den Wandel gestalten - Herausforderung von Gesellschaft, Politik und Gewerkschaften

Bettina Kohlrausch, Wissenschaftliche Direktorin des WSI der Hans Böckler Stiftung (PDF, 1 MB)

Wie erleben Menschen die Herausforderungen und welche Ressourcen brauchen sie in der Transformation.

Energiewende — wie gelingt sie im Betrieb?

Dokumentation des Forum Energiewende im Betrieb

Energiewende im Betrieb (TBS) (PDF, 821 kB)

Wie verändert sich Arbeit durch die Energiewende? Welche Gestaltungsmöglichkeiten haben Betriebsräte? Warum ist Beteiligung von Beschäftigten so wichtig und welche Voraussetzungen begünstigen den Erfolg eines beteiligungsorientierten Vorgehens?

Fitte Fachkräfte für den Wandel — was ist dafür nötig?

Dokumentation Forum Fachkräfte

Fitte Fachkräfte durch Gesundheitsschutz (PAG) (PDF, 430 kB)

Stärkung von Handlungsmöglichkeiten, Gesundheitskompetenzen und Selbstwert.

Fitte Fachkräfte durch Weiterbildung (IG Metall Bezirk Küste) (PDF, 1 MB)

Weiterbildung im Betrieb fördern, Beschäftigung sichern, Beschäftigte beteiligen.

Künstliche Intelligenz im Betrieb

Dokumentation Forum Künstliche Intelligenz

Ausbildung — garantiert gut ins Morgen?

Mobilität — wie kann die Verkehrswende in SH gelingen?

Dokumentation Forum Mobilitätswende

Bündnis sozialverträgliche Mobilitätswende (PDF, 4 MB)

Wie wir das Klima schützen und eine sozial gerechte Mobilitätswende umsetzen können.

TraFo.SH Investitionsprogramm (SPD LTSH) (PDF, 339 kB)

Investitionsbedarfe auf Basis von bekannten Daten und in Gesprächen mit Expertinnen und Experten.