Am 27. Februar 2026 ist Equal Pay Day. Bis zu diesem Tag arbeiten die Frauen rein statistisch betrachtet unentgeltlich. Denn noch immer verdienen Frauen in Schleswig-Holstein im Schnitt 12 Prozent weniger als Männer. Frauen haben damit bei gleicher Arbeit monatlich 445 € weniger im Portemonnaie. Gerecht geht anders! Im nördlichsten Bundesland liegt der sogenannte Gender Pay Gap damit ein wenig niedriger als im Bundeschnitt, dort beträgt er 16 Prozent.
Laura Pooth, Vorsitzende DGB Nord: „Die Lohnlücke ist kein Naturgesetz. Sie ist das Ergebnis struktureller Ungleichheit: ungleich verteilte Sorgearbeit, Teilzeitfalle und fehlende Betreuungsangebote für Kinder bis ins Schulalter sowie für Menschen mit Unterstützungsbedarf sind maßgebliche Ursachen des Gender Pay Gap.“
Für mehr Gerechtigkeit auf dem Lohnzettel braucht es Transparenz. Die EU hat dafür einen Rahmen vorgegeben, der bis Mitte 2026 auch in deutsches Recht umgesetzt werden muss. Werden die EU-Vorgaben in Deutschland Gesetz, sind die Arbeitgeber stärker in der Pflicht, ihre Entgeltpraxis zu überprüfen, Benachteiligungen aufzudecken und sie zu beseitigen.
Eine Ursache für die geringere Bezahlung von Frauen ist, dass sie in Branchen arbeiten, die häufig ein schlechteres Entgelt aufweisen. Beispielsweise in der Alten- und Krankenpflege, im Einzelhandel oder in der Gastronomie.
„Die frauendominierten Berufe müssen durch höhere Löhne aufgewertet werden. Tarifverträge schaffen mehr Geschlechtergerechtigkeit. Auch deshalb müssen wir die Tarifbindung stärken“, fordert Pooth.
„Es sind vor allem strukturelle Ursachen, weshalb Frauen noch immer deutlich weniger verdienen als Männer: Carearbeit, die Betreuung von Kindern oder Pflege von Angehörigen, ist überwiegend weiblich. Das muss gerechter verteilt werden. Die Kinderbetreuung ist nicht ausreichend ausgestaltet, damit Job und Familie unter einen Hut gebracht werden kann“, so Pooth.
Aber auch die Unternehmen seien in der Pflicht, die unterschiedlichen Bedürfnisse der Beschäftigten zu berücksichtigen. „Setzen wir nicht auf das Know-how gut ausgebildeter Frauen, die in Teilzeit- oder Minijob kleben, verstärken sich die Fachkräfteengpässe in Zukunft noch“, so Pooth.