Der Gender Pay Gap fällt in Hamburg größer aus als im Bundesdurchschnitt (16 %) und deutlich höher als im EU‑Vergleich (12 %). Frauen verdienen in der Hansestadt im Schnitt 17 % weniger als Männer. „Ein Hundert-Euro-Schein ist in Hamburg für Frauen nur 83 Euro wert“, sagt Tanja Chawla, Vorsitzende des DGB Hamburg. „Die Folgen dieser Ungleichheit sind gravierend: geringere wirtschaftliche Unabhängigkeit, ein erhöhtes Armutsrisiko und massive Rentenlücken.“ Der DGB Hamburg fordert deshalb verstärkte politische Anstrengungen – unter anderem ein wirksames Tariftreuegesetz –, um die Lohnlücke endlich zu schließen.
Nach aktuellen Daten des Statistikamtes Nord verdienen Frauen mit Hochschul- oder Fachhochschulabschluss in Hamburg 21 % weniger als Männer. Bei den unter 25‑Jährigen liegt die Lücke noch bei drei Prozent, steigt aber mit zunehmendem Alter drastisch an – auf 25 % bei den 60‑ bis 64‑Jährigen. Besonders betroffen sind migrantische Frauen, deren Entgeltlücke sogar 30 % beträgt.
„Je länger Frauen arbeiten, desto größer wird die Lücke. Das ist ein Armutsrisiko mit Ansage“, warnt Tanja Chawla. „Gleichzeitig übernehmen Frauen weiterhin den Großteil der unbezahlten Sorgearbeit.“ Fehlende Betreuungsangebote, Erwerbsunterbrechungen und unfreiwillige Teilzeit führten zu niedrigeren Einkommen. Hinzu komme, dass frauendominierte Berufe schlechter bezahlt werden – selbst bei gleicher Qualifikation.
Chawla betont: „Gesundheits-, Pflege-, Bildungs- und Sozialberufe verdienen in Hamburg endlich eine faire Bezahlung. Gleichzeitig braucht es verlässliche Betreuung, partnerschaftliche Modelle und politische Rahmenbedingungen, die eine gerechte Verteilung von Erwerbs- und Carearbeit ermöglichen. Das ist eine zentrale Frage von Gleichstellung und guter Arbeit.“
„Der Gender Pay Gap ist nicht vom Himmel gefallen. Er ist das Ergebnis politischer Versäumnisse und struktureller Ungleichheit – und genau deshalb veränderbar“, so Chawla weiter. „Minijobs müssen in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung überführt und Betreuungskapazitäten ausgebaut werden. Um strukturelle Barrieren abzubauen, brauchen wir in Hamburg bessere Aufstiegschancen, Qualifizierung und verbindliche Maßnahmen für mehr Frauen in Führungspositionen. Und vor allem brauchen wir eine starke Tarifbindung. Wo Tarifverträge gelten, sind die Verdienste höher, die Arbeitszeit kürzer und die Lohnlücke nachweislich geringer.“
Eine zentrale Forderung des DGB ist zudem die vollständige Umsetzung der EU‑Entgelttransparenzrichtlinie durch die Bundesregierung. Unternehmen müssen verpflichtet werden, diskriminierungsfreie Entgeltstrukturen nachzuweisen. Um Entgeltpraxis und Vereinbarkeit von Beruf und Familie wirksam zu verbessern, braucht es außerdem starke Mitbestimmung durch Betriebs- und Personalräte. Darüber hinaus fordert der DGB die Einführung eines Verbandsklagerechts im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG), um Lohngleichheit durchzusetzen.
Der DGB Hamburg stellt den Internationalen Frauentag in diesem Jahr unter das Motto: Mitbestimmen. Mitgestalten. MehrWert Gleichstellung.
„Mehr Frauen müssen in die Mitbestimmung, denn echte Gleichstellung entsteht nur, wenn Frauen in allen gestaltenden und entscheidenden Gremien angemessen vertreten sind. Ihre Perspektiven müssen dort einfließen, wo Regeln, Strukturen und die Verteilung von Ressourcen festgelegt werden. Nur so lassen sich bestehende Machtverhältnisse verändern und strukturelle Ungleichheit abbauen – gerade jetzt, mit Blick auf die anstehenden Betriebs- und Personalratswahlen“, so Tanja Chawla abschließend.