Veranstaltung "Rentenreform - aber gerecht!"
Informations- und Diskussionsveranstaltung
Donnerstag, 1. Oktober 2026
16:00–18:00 Uhr
Ort: Evangelisch-reformierte Gemeinde Lübeck, Königstraße 18, 23552 Lübeck
Anmeldung per E-Mail: nord. luebeck@dgb.de, per Telefon: 0451 799 50 20
Die Alterssicherungskommission der Bundesregierung hat einen Bericht mit Vorschlägen vorgelegt, die im Laufe des Jahres Gesetz werden sollen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat eine eigene Rentenkommission eingesetzt, deren Bericht vorliegt. Manche Vorschläge gehen in die gleiche Richtung, um andere muss gestritten werden.
Zentrale Themen:
- Bundesregierung und DGB wollen, dass der Kreis der beitragspflichtigen Personen und Einkommen größer wird. Die Vorschläge des DGB gehen deutlich weiter.
- Die Bundesregierung möchte die Altersrente nach 45 Beitragsjahren abschaffen, der DGB nicht.
- Bundesregierung und DGB wollen neue Wege für gesundheitlich Beeinträchtigte für einen früheren Renteneintritt.
- Die Bundesregierung möchte das allgemeine Renteneintrittsalter längerfristig bis 70 anheben, der DGB nicht.
- Die Bundesregierung möchte eine paritätisch finanzierte kapitalgedeckte Säule für alle in der Rentenversicherung. Der DGB tritt für eine betriebliche Altersversorgung für alle Erwerbstätigen ein.
Referent:innen
Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland
Sie war Mitglied der DGB-Rentenkommission. Der VdK will die Rente zukunftssicher machen und Altersarmut verhindern.
Prof. Dr. Felix Welti Professor für Sozial- und Gesundheitsrecht, Recht der Rehabilitation und Behinderung an der Universität Kassel
Er hat die DGB-Rentenkommission unterstützt.
Beide berichten und diskutieren mit uns über eine gerechte Rentenreform.
Moderation: Andreas Wübben, Geschäftsführer ver.di Bezirks Lübeck/Süd-Ostholstein
Demografischer Wandel – vielfältig (&) gestaltbar
Bevölkerungsalterung wird teilweise als Bedrohung wahrgenommen. Demografischer Wandel ist jedoch kein grau-düsteres Schicksal, sondern sehr vielfältig und dadurch auch vielfältig gestaltbar.
In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Situation verschiedener Generationen in Bezug auf wichtige Bereiche des Lebens wie Familie, Bildung, Erwerb und Mobilität verändert.
Nachrückende Geburtsjahrgänge verzeichnen zunehmend höhere Bildungsabschlüsse. Bei Aspekten wie etwa der Stellung im Beruf wirken sich die allgemeinen Veränderungen des Arbeitsmarktes über die Zeit relativ ähnlich auf alle Erwerbspersonen aus, unabhängig vom Alter.
Bildung ist ein Schlüsselelement, um den Herausforderungen von Alterung und Bevölkerungsrückgang zu begegnen.
Durch die Bildungsexpansion der letzten Jahrzehnte besitzen heute mehr Menschen höhere Schul- und berufliche Bildungsabschlüsse als jemals zuvor. Aufgrund der Alterung der geburtenstarken Babyboom-Jahrgänge werden in den nächsten Jahren deutlich mehr Personen altersbedingt den Arbeitsmarkt verlassen als Jüngere eintreten. Diese Reduzierung der Erwerbspersonen kann zumindest zum Teil durch das steigende Bildungsniveau ausgeglichen werden, da mit einem höheren Bildungsniveau tendenziell eine höhere Pro-Kopf-Produktivität einhergeht.
Dem prognostizierten Rückgang bei der Zahl von Erwerbspersonen steht ein großes Potenzial bei der Verbesserung der Erwerbsbeteiligung gerade bei Älteren und Frauen und durch die Zuwanderung gegenüber.
Heute gehen weitaus mehr Menschen über 60 Jahre wie auch Frauen einer bezahlten Tätigkeit nach als Anfang der 1990er Jahre. Daneben ist bei Frauen Teilzeitarbeit weiterhin stark verbreitet.
Fortschritte bei der Gleichstellung zeigen sich bei der Bildung, dem Erwerbsleben und dem Rentenbezug.
Bei der Bildung sind diese Fortschritte aber größer als bei Erwerb und Einkommen.
Während Abwanderung das Problem in der Regel verstärkt, da eher Jüngere ins Ausland umziehen , schwächt Zuwanderung Alterungsprozesse tendenziell ab. Dazu, dass die Bevölkerung heute auf einem breiteren Sockel steht als noch Mitte der 2000er, hat die Zuwanderung erheblich beigetragen.
Wir müssen über die äußerliche Betrachtung der Bevölkerungsstruktur nach Alter und Geschlecht hinausgehen und Gestaltungsmöglichkeiten in der inneren Vielfalt des Demografischen Wandels sehen.