Nach aktuellen Zahlen von Statistik Nord arbeiten in Hamburg lediglich 48 Prozent der Beschäftigten in tarifgebundenen Betrieben. Damit hat die Hansestadt weiterhin die zweitschlechteste Tarifbindung in Westdeutschland, liegt unter dem Bundesdurchschnitt von 49 Prozent und weit entfernt von der Zielmarke der EU-Mindestlohnrichtlinie, die eine Tarifbindung von 80 Prozent vorsieht.
Hamburgs DGB-Vorsitzende Tanja Chawla erklärt dazu: „Noch immer arbeitet nicht einmal die Hälfte der Hamburger Beschäftigten in einem tarifgebundenen Betrieb. Das ist bitter – und zeigt, wie weit wir von der 80-Prozent-Vorgabe der EU entfernt sind. Die gute Nachricht: Es gibt ein wirksames Instrument, um gegenzusteuern – ein verlässliches Hamburger Tariftreuegesetz. Ich sage es einmal mehr: Wir erwarten, dass der Senat sicherstellt, dass öffentliche Aufträge ausschließlich an Unternehmen vergeben werden, die nach Tarif bezahlen und tarifvertragliche Bedingungen garantieren – ab dem ersten Cent und ab dem ersten Tag.“
Tarifverträge seien aus gewerkschaftlicher Sicht der zentrale Garant für gute Löhne und verlässliche Arbeitsbedingungen, so Chawla weiter. Doch die Zahl der Arbeitgeber, die bereit sind, Tarifverträge abzuschließen, sinke seit Jahren. Die Folgen seien spürbar: schlechtere Arbeitsbedingungen und sinkende Löhne. „Arbeitgeber und Politik stehen gleichermaßen in der Verantwortung, diese Missstände zu beheben. Wir appellieren daher auch an die Sozialpartner, ihre Mitgliedsunternehmen konsequent in Richtung Tariftreue zu führen“, betont Chawla.
Darüber hinaus fordert der DGB, auch die Wirtschaftsförderung des Landes verbindlich an Tariftreue zu knüpfen. „Nicht nur öffentliche Aufträge, sondern auch alle Formen der Wirtschaftsförderung, wie Subventionen und Ansiedlungshilfen dürfen künftig nur noch an Unternehmen fließen, die tarifgebunden sind“, so Chawla.
Abschließend unterstreicht sie die Bedeutung von Tarifverträgen für die soziale und wirtschaftliche Stabilität der Stadt: „Tarifverträge bieten die Sicherheit, die Beschäftigte gerade in schwierigen Zeiten brauchen. Sie sorgen für höhere Einkommen, stärken den sozialen Zusammenhalt und machen Hamburg als Standort attraktiver. Angesichts des wachsenden Fachkräftebedarfs ist die geringe Tarifbindung ein erheblicher Wettbewerbsnachteil für unsere Stadt.“