Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 38/2021 - 23.04.2021

Die Ausbeutung der Erntehelfer

Mit dem Saisonstart in der Landwirtschaft kommen auch in diesem Jahr tausende Erntehelfer in den Norden. Ende Juni 2020 waren in Schleswig-Holstein 3068, in Mecklenburg-Vorpommern 2624 von ihnen ohne Kranken-, Arbeitslosen- oder Rentenversicherung auf den Feldern beschäftigt. In diesem zweiten Corona-Jahr hat die Bundesregierung die eigentlich auf 70 Tage begrenzte Frist, innerhalb der die Erntehelfer sozialversicherungsfrei beschäftigt werden können, ausgeweitet – auf insgesamt 102 Tage und trotz Pandemie.

„Ohne die Saisonbeschäftigten aus Rumänien, Polen oder Bulgarien gäbe es keinen inländischen Spargel oder Erdbeeren. Aber in der Landwirtschaft gilt das Credo: Billig müssen die Arbeitskräfte sein“, kritisiert Ingo Schlüter, Vize-Vorsitzender des DGB Nord. „Die Bundesregierung ist ein weiteres Mal vor der Landwirtschaftslobby eingeknickt und öffnet Tür und Tor, um die Sozialversicherungspflicht für vier Monate zu umgehen. Wir lehnen diese missbrauchsanfällige Regelung ab. Sie war ursprünglich für die Ferienjobs von Schülern und Studenten gedacht. Darauf muss sie auch wieder begrenzt werden.“ fordert der Gewerkschafter. „Aus den skandalösen Zuständen in der Fleischwirtschaft wurde offenbar nichts gelernt. Die Abgeordneten der Koalition haben abgestimmt – gegen sozialen Schutz, Rente und Krankenversicherung für die Beschäftigten. Und das trotz des verbreiteten Mindestlohnbetrugs, der schlechten Unterkünfte und trotz des hohen Corona-Infektionsrisikos.“

Der DGB fordert Sozialversicherungsschutz ab dem ersten Tag der Beschäftigung, einen schlagkräftigen Arbeits- und Infektionsschutz und das Ende von Mindestlohnbetrug, miesen und überteuerten Unterkünften und Missbrauch. „Wenn die Zustände weiter so menschenunwürdig bleiben, dann finden wir bald niemanden mehr, der auf deutschen Feldern arbeiten will. Schon jetzt werben die Betriebe vermehrt in Drittstaaten wie Moldau oder Georgien an“, kritisiert Schlüter. Er fordert, dass Arbeitgeber an den Verhandlungstisch mit der zuständigen Gewerkschaft IG BAU kommen: „Wir brauchen einen Flächentarifvertrag, in dem die Rechte der Beschäftigten verbindlich abgesichert sind.“


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