Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 65/2014 - 08.08.2014
Werkvertrags-Skandal in Mecklenburg-Vorpommern:

Arbeitsverträge für die Kollegen aus Griechenland!

Der Deutsche Gewerkschaftsbund Nord (DGB Nord) fordert die Festanstellung der griechischen Arbeiter in Deutschland, die von einem Sub-Unternehmen in Groß Stieten bei Wismar und Lubmin in Vorpommern ohne Entlohnung zurückgelassen worden waren.

„Wer nicht hören will, muss fühlen. Generalunternehmerhaftung ist das Gebot der Stunde. Die griechischen Kollegen müssen vom Auftraggeber – auch rückwirkend - das Angebot zu einem Arbeitsvertrag bekommen. Die Ausbeutung von Werkvertragsbeschäftigten durch deutsche Arbeitgeber muss beendet werden, die Zeit der Arbeitssklaven ist vorbei. Die Arbeit muss neu geordnet werden. Dazu gehört, dass Beschäftigte ordentliche Arbeitsverträge erhalten. Ich erwarte, dass auch die Arbeitgeberverbände, Nordmetall und andere Branchenverbände endlich gegen diese skandalösen Geschäftsmodelle vorgehen, sagt Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Nord. Auch die Landesregierung, der Arbeitsschutz und ggf. die Strafverfolgungsbehörden seien gefordert.

Der DGB Nord hatte in Groß Stieten menschenunwürdige Bedingungen vorgefunden. Der Sub-Sub-Unternehmer hatte seine Beschäftigten in einer heruntergekommenen Arbeiterunterkunft ohne Geld, ohne Essen und Trinken einfach zurückgelassen. Das Subunternehmen arbeitet für einen weiteren Subunternehmer in der Korrusionsschutzbranche. Der DGB leistet gemeinsam mit der IG Metall erste Hilfe und beschaffte den Arbeitern in Groß Stieten Essen und Trinken, die IG Metall Stralsund-Neubrandenburg überbrachte in Lubmin eine Spende. Die Firma Krebs Korrosionsschutz hatte gestern gegenüber dpa angekündigt, jetzt nach anderen Unterkünften für die griechischen Arbeiter zu suchen. Dies müsste jetzt unverzüglich geschehen, so der DGB.

Polkaehn: „Mecklenburg-Vorpommern ist der Lohnkeller der Nation, hier werden die miserabelsten Löhne gezahlt. Die Nutznießer der Arbeit sind in der Verantwortung – sie müssen für die geleistete Arbeit auch angemessene Gehälter zahlen. Die jetzt aufgedeckten skandalösen Praktiken sind kein Einzelfall, immer wieder machen Arbeitgeber ihr Geschäft mit windigen Konstruktionen zulasten der Arbeitnehmer. Wir brauchen endlich mehr Rechte für Betriebsräte bei Werkverträgen. Wir wollen echte Mitbestimmung über Zustimmungsverweigerungsrechte, ein Verbandsklagerecht, eine Beweislastumkehr und eine Generalunternehmenshaftung.“

Vertreter des DGB begleiteten heute eine Gruppe der griechischen Arbeitnehmer zum Jobcenter in Wismar, um sie bei der Klärung ihrer Ansprüche zu unterstützen.


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