Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 64/2014 - 07.08.2014
Werkvertrags-Skandal in Mecklenburg-Vorpommern

Griechische Arbeiter ohne Lohn, Essen und Trinken

Der Deutsche Gewerkschaftsbund Nord (DGB Nord) fordert die Landesregierung und Arbeitsverwaltung in Mecklenburg-Vorpommern auf, die Ausbeutung griechischer Arbeiter durch hiesige Arbeitgeber zu unterbinden und Initiativen im Bundesrat zur Beendigung von Scheinwerkverträgen und ausbeuterischen Praktiken durch Subunternehmer zu veranlassen. Auch die Arbeitgeberbände im Nordosten könnten den Zuständen nicht tatenlos zusehen.

Gestern hatte der DGB Nord von 25 griechischen und weiteren etwa 80 ausländischen Arbeitern erfahren, die von einem Unternehmen in Groß Stieten bei Wismar und Lubmin in Vorpommern ohne Entlohnung zurückgelassen worden waren.

„Wir haben hier in Groß Stieten menschenunwürdige Bedingungen vorgefunden. Es ist ein Skandal, dass die Firma ihre Beschäftigten in einer Arbeiterunterkunft, in der das Wasser in den Zimmern steht, ohne Geld, ohne Essen und Trinken einfach zurücklässt“ sagt Ingo Schlüter, stellvertretender Vorsitzender des DGB Nord: „Diese Praktiken zeigen, dass dem Werkvertragsunwesen mit Auftragsketten an Sub-Sub-Sub-Unternehmen ein Riegel vorgeschoben werden muss. Die Arbeit braucht eine neue Ordnung, vor allem in Mecklenburg-Vorpommern, dem Land der niedrigsten Löhne.“

Die betroffenen Kollegen berichteten dem DGB, dass ihrer Firma die Konten gesperrt worden seien. Das ausländische Subunternehmen arbeitet offenbar für einen deutschen Subunternehmer in der Korrusionsschutzbranche – er soll von einem weiteren deutschen Auftraggeber angeheuert worden sein. Der DGB leistet gemeinsam mit der IG Metall erste Hilfe: Die Betriebsratsvorsitzende der Nordic-Werft in Wismar, Ines Scheel, beschaffte den Arbeitern in Groß Stieten Essen und Trinken, die IG Metall Stralsund-Neubrandenburg fährt heute nach Lubmin und überbringt eine Spende.

Schlüter: „Das Alles ist nur die Spitze des Eisbergs. Diese schäbige Lohndrückerei auf Kosten der Gesundheit und Würde von arbeitenden Menschen muss aufhören. Die Schwächsten auf dem Arbeitsmarkt brauchen einen besonderen Schutz. Dazu gehört auch die Mitbestimmung von Betriebsräten – kein Chef soll künftig allein entscheiden können, ob und zu welchen Konditionen er Werkvertragsnehmer anstellt. Das ist eine Riesenbaustelle für alle Regierenden, in Schwerin und auch in Berlin. Die Landesregierung muss einschreiten und ggf. auch strafrechtliche Schritte einleiten.“

 

In der Anlage erhalten Sie als PDF eine ausführliche Information zum Thema Werkverträge und Subunternehmen.

 


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